BUND-Kreisgruppe Düsseldorf
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Luftqualität in Düsseldorf: "Verbessert" heißt noch lange nicht "gut/gesund"

15. März 2026 | Klimaschutz, Luftreinhaltung, Mobilität, Mobilitätswende

Düsseldorf hat die derzeit gültigen immissionsrechtlichen Grenzwerte für Luft im Jahr 2024 eingehalten. Auf welche Verschärfungen muss sich die Stadt vorbereiten, und welche Maßnahmen würden helfen?

 (Eigene Darstellung auf Basis Landeshauptstadt Düsseldorf AUS/041/2025)

Um es vorweg zu nehmen: Die Stadt sieht derzeit keine Notwendigkeit für zusätzliche Maßnahmen zur Luftreinhaltung, weil die Grenzwerte aktuell eingehalten werden.  

Die größte Belastungsquelle in Düsseldorf ist der Straßenverkehr, dieser daher ein Schwerpunktthema im Luftreinhalteplan, den die Stadt 2022 erneut aufstellen musste wegen Grenzüberschreitungen bei Luftschadstoffen, insbesondere Stickstoffdioxid (NO2). Bereits 2022 hatte der BUND in seiner Stellungnahme eine proaktive Vorbereitung auf verschärfte Grenzwerte gefordert.

Wie gut ist die Luft in Düsseldorf? Die positive Nachricht: Sowohl die Belastung mit Feinstaub (PM10 und PM2,5 - Partikelgrößen in Mikrometer) als auch die mit Stickstoffdioxid (NO2) geht seit einigen Jahren vom Trend her zurück, und 2024 wurden die Grenzwerte für die Jahresdurchschnittswerte deutlich unterschritten. Dazu erläutert die Stadt: “Die konkreten Wetterbedingungen haben neben den Emissionen ebenfalls einen maßgeblichen Einfluss auf die gemessene Luftbelastung. Verglichen mit dem langjährigen Mittel (1961-1990) war das Berichtsjahr – wie auch die Jahre 2022 und 2023 – deutlich wärmer und zugleich deutlich nasser: einem milden Winter folgte einwechselhafter und nasser Sommer, dem anhaltende Hitze- bzw. Ozonperioden fehlten. Diese Witterungsbedingungen gelten als lufthygienisch günstig für niedrige PM10-Belastungen.” (Verwaltungsvorlage für den Umweltausschuss vom 22.01.2026 mit weiteren Grenzwerten und Details hier)

Die schlechte Nachricht: Die aktuell gültigen Grenzwerte entsprechen nicht mehr den Werten, die gesundheitlich als unbedenklich gelten. Deshalb hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon 2021 Grenzwerte publiziert, die bei weniger als 50% der bisherigen Grenzwerte liegen. In der EU werden mit der im Oktober 2024 verabschiedeten Neufassung der EU-Luftqualitäts-Richtlinie, die bis 11.12.2026 in deutsches Recht umgesetzt werden muss, bis 2030 ungefähr Halbierungen der Grenzwerte festgeschrieben (und das Ziel unschädlicher Schadstoffmengen bis 2050). 

Es ist schon heute klar, dass Düsseldorf die ab 2030 verbindlichen Grenzwerte für Stickoxide nicht wird einhalten können. Die PM10-Belastung 2024 lag an den Meßstellen zwischen 14 und 18 μg/m³. Der 40 auf 20 gesenkter EU-Grenzwert könnte also eingehalten werden. Anders sieht es bei der Stickstoffbelastung aus: Die Messwerte liegen zwischen 16 und 34 μg/m³. Der in der EU von 40 auf 20 μg/m³ gesenkte Grenzwert wird also nicht eingehalten (siehe Grafik), wenn nicht rechtzeitig Maßnahmen zu einer beschleunigten Reduktion der Schadstoffbelastung ergriffen werden.

Für den Verkehrsbereich nennt die EU-Richtlinie in Anhang VIII neben der Umstellung auf emissionsfreie Antriebstechnologien unter anderem folgende "Maßnahmen zur Verringerung der Luftverschmutzung:

  • Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität, Effizienz, Erschwinglichkeit und Konnektivität des kollektiven und öffentlichen Verkehrs
  • Maßnahmen zur Begrenzung verkehrsbedingter Emissionen durch Stadtplanung und Verkehrsmanagement, einschließlich …Parkgebühren auf öffentlichen Flächen …Einrichtung von verkehrsarmen Stadtvierteln, Superblocks und autofreien Stadtvierteln … Vorkehrungen für die Zurücklegung der “letzten Meile” ohne (Abgas-)Emissionen … Schaffung von Anreizen für das Radfahren und Zufußgehen, z. B. durch die Auswertung des Raumangebots für Radfahrer und Fußgänger, die Priorisierung von Radfahrern und Fußgängern bei der Infrastrukturplanung und den Ausbau des Radwegenetzes, … Planung kompakter Städte".

Die Bezirksregierung Düsseldorf ergänzt auf ihrer Internetseite zur Frage, wie die Luft in den Städten verbessert werden kann:

  • "Auch Geschwindigkeitsbeschränkungen (z.B. 30 km/h innerorts) sind in Verbindung mit der Schaltung „grüner Wellen“ an den Verkehrsampeln ein geeignetes Mittel, den Verkehrsfluss deutlich zu verbessern."

Alles schon mal gehört, weil solche Maßnahmen seit Jahren auch in Düsseldorf diskutiert werden? Gerade Maßnahmen der Verkehrssteuerung und Geschwindigkeitsreduktion finden sich im Luftreinhalteplan 2022. Nach Presseberichten (RP vom 09.02.2026) führt die Stadt die im Luftreinhalteplan 2022 definierten Maßnahmen fort, verweist auf erste Kenntnisse zu stabilen Schadstoffwerten 2025 sowie auf Einsparpotentiale aus der kommunalen Wärmeplanung. 

Der BUND meint: Das ist zu wenig. Die Luftqualität und Gesundheit der Bürger in Düsseldorf ist einmal mehr Anlass, Tempo zu machen bei Radwegeausbau, Verkehrsberuhigung, Nachhaltigem Mobilitätsplan, Parkraummangement und anderen seit Jahren zäh oder gar nicht vorankommenden Themen. Das wäre verantwortungsvolles und vorausschauendes Handeln!

In der Informationsvorlage vom 16.1.2026 für den Umweltausschuss zur Neuen Luftqualitätsrichtlinie 2024 (AUS/056/2024) hieß es noch: "Die Umweltverwaltung beabsichtigt dann, gemeinsam mit der Landesverwaltung, betroffenen Dienststellen und Ämtern innerhalb der Landeshauptstadt sowie der Rheinbahn, Ansätze für wirkungsvolle, geeignete und zugleich umsetzbare Minderungsmaßnahmen zu entwickeln. Hierbei wird sie sich an den Erfahrungen der letzten Jahre sowie den Maßnahmenvorschlägen im Anhang VIII, B, 2 der LQRL 2024 orientieren. Ziel ist es, eine Position der Landeshauptstadt zu erarbeiten, bevor die LQRL in deutsches Recht umgesetzt ist."

Dem ist aus Sicht des Umweltschutzes nur hinzuzufügen: Machen! 

Unbenommen: Einzelne Verbesserungen beim Thema Mobilitätswende wurden in den letzten Jahren erreicht. Tipps zu nachhaltiger Mobilität hat die Stadt unlängst für die Bürger als Mobility Guide online zusammengefasst. Egal, ob Sie zu Fuß, mit dem Fahrrad, Bus und Bahn, oder dem Auto unterwegs sein wollen, hier gibt es vielleicht noch den einen oder anderen unbekannten Tipp für umweltbewußte Mobilität und einen Beitrag zu besserer Luftqualität in Düsseldorf.

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