Klimawandel - und die (möglichen) Auswirkungen auf Flüsse und Auen bis 2100
(Schmidt-Wygasch BfG)
Natürliche Auen sind durch regelmäßige Überflutungen geprägt. Dies schafft eine besonders struktur- und artenreiche Naturlandschaft. Heute liegen Altauen häufig hinter den Deichen oder sind durch Gewässervertiefung und steile Ufer von der Gewässerdynamik abgeschnitten.
Das Bundesprogramm Blaues Band und das Förderprogramm Auen fördern die Renaturierung von Auen an den Bundeswasserstraßen. Damit soll auch der Fluss als wichtiger Biotopverbundraum gestärkt werden. Bei der Tagung des Bundesamtes für Naturschutz am 23./24. September in Bonn gab es Berichte zu neuen Erkenntnissen.
Frank Barsch vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit hob in seinem Eingangsvortrag hervor, dass das Förderprogramm Blaues Band, das bei seiner Gründung 2015 vor allem der Renaturierung und dem Naturschutz galt, mittlerweile ergänzt wurde um das Ziel Klimaschutz. Dies ist Ausfluss des 2023 von der Bundesregierung beschlossenen Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz. Auch in den Förderprogrammen des Bundes werden Renaturierung und Klimaschutz also inzwischen zusammen gedacht.
Dr. Ina Quick vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) referierte dementsprechend unter dem Titel: „Das Bundesprogramm Blaues Band Deutschland: Die Renaturierung von Wasserstraßen und ihrer Auen in Zeiten des Klimawandels.“
Es gab klare Aussagen: „Durch den Klimawandel häufen und verstärken sich sowohl Niedrigwasserphasen, Dürreperioden als auch Hochwasser- und Starkregenereignisse. … Maßnahmen des Gewässer- und Auenschutzes machen Natur und Gesellschaft resilienter gegenüber Klimawandel.“
Zu den geförderten Maßnahmen zählen die Anlage, Reaktivierung und Renaturierung von Altarmen, Auengewässern, Mulden und Rinnenstrukturen sowie von Mündungsbereichen der Zuflüsse, Entfernung/Schlitzung/Rückverlegung Verwallungen/Uferdämme/Deiche.
Zum Zielspektrum des Förderprogramms Auen zählt dabei die Vergrößerung ufer- und auetypischer Lebensräume und gleichzeitig: attraktive Freizeit- und Erholungsgebiete schaffen, Beträge zur Hoch- und Niedrigwasserregulation, Resilienz des Landschaftswasserhaushaltes und Ökosystemfunktionen wie die Selbstreinigung der Gewässer und eine Reduktion von CO2-Freisetzung durch die Wiedervernässung organischer Aueböden.
Das Blaue Band leistet auch einen Beitrag zur Zielerreichung der EU-Wiederherstellungsverordnung (W-VO v.a. Art. 4 und Art. 9), nach der europarechtliche Verpflichtungen bestehen, natürliche Landschaften zu schützen und wiederherzustellen.
Kai Schäfer vom Bundesverkehrsministerium erläuterte, den integrativen Ansatz seiner Behörden. Dies bedeute, dass die verkehrlichen Aufgaben zur Umsetzung der WRRL (wasserwirtschaftlicher Ausbau und Ökologische Durchgängigkeit) rechtlich gleich bedeutsam seien. Davon unbenommen habe die Aufrechterhaltung der Sicherheit der Wasserstraßeninfrastruktur die oberste Priorität. Eine multifunktionale Maßnahmenumsetzung sei dabei die Lösung. Derzeit stehen bei finanziellen Ressourcen Maßnahmen an Gewässern stehen in Konkurrenz mit Schiene und Straße, so dass das Tempo stocke. Bedeutsam für die Dynamik sei die fast abgeschlossene Weiterentwicklung des Blauen Bandes zum Blauen Band plus, das Klimaschutz und Naturschutz verbinden soll, und die Nutzung von Ausgleichsmaßnahmen.
Dr. Carolin Schmidt-Wygasch , Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) beschäftigte sich mit nötigen Anpassungen der Programme. Die genauen Auswirkungen des Klimawandels für ein Gewässer lassen sich nicht vorhersagen. Sicher scheint, dass die Schwankungsbreite bei Hoch- und Niedrigwassern zunimmt (siehe Grafik).
Die Bewertungssysteme für Auen müssen voraussichtlich auf Klimaänderung angepasst werden, z. B. mehr trockenheitsresistente Arten bzw. weniger einzelne Zielarten definieren, besser auf Biotoptypen abstellen.
Als Beispiele für AKN-Beitrag der ökologischen Gewässerentwicklung nannte sie: Kohlenstoffspeicherung, Biodiversität, Wasserhaushalt. Anforderung: Quantitativ erfassen und bewerten.
Praktischen Erfahrungsaustausch gab es in Workshops. Julian Oymanns von der Biologischen Station Haus Bürgel berichtete zum Thema Kommunikation von guten Erfahrungen bei der frühzeitigen Einbindung von Stakeholdern und Bevölkerung beim Renaturierungsprojekt am Urdenbacher Altrhein.
Mareike Hees vom BfN hob bei der Evaluation die Bedeutung einer frühzeitigen und breiten Erfassung des Zustandes vor der Maßnahme über mehrere Jahre hervor, so dass z. B. Schwankungen in Dürrejahren besser berücksichtigt werden können. Die im Förderprogramm Auen vorgesehene Evaluation liege zeitnah nach Maßnahmenumsetzung, und somit eigentlich zu früh. Bei größeren Maßnahmen sind spätere Evaluationen sinnvoll und teilweise auch förderfähig.
Was alle Projektverantwortlichen beschäftigt: Wie komme ich an die Flächen? Alternativen zu Flurbereinigungsverfahren, z. B Dienstbarkeiten (Problem: ggf. begrenzte Laufzeiten)? Wie ziehe ich qualifiziertes Personal an? Wie sind längerfristige Beschäftigungsverhältnisse möglich?
Die Projektlandkarte des Blauen Bandes zeigt derzeit 25 Projekte bundesweit. Davon sind 5 abgeschlossen, 9 in Umsetzung, die übrigen in Antragstellung oder Voruntersuchung.
9 Projekte sind in der alleinigen Trägerschaft der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), 7 Kooperationen zwischen WSV und anderen Trägern, 6 sind Teil des Auenprogramms. In Nordrheinwestfalen liegen 6 Projekte. Am Rhein gibt es 3 Projekte, alle außerhalb von NRW - Maßnahmen z. B. Entfernung von Uferbefestigung, Anbindung von Flutmulden, dauerhafte Durchströmung von Auengewässern für Jungfische. Bei diesen Projekten ist die WSV Projektträger, Land/Regierungspräsidium oder Stadt Kooperationspartner.