BUND-Kreisgruppe Düsseldorf
Jetzt spenden Mitglied werden

Fahrrad-Aktionsralley zur Kommunalwahl

11. September 2025 | Mobilitätswende

Wie wünschen sich Düsseldorfer ihre Straßen und Plätze, und was können sie von den verschiedenen politischen Parteien erwarten?

Fabian Zachel (OB-Kandidat der SPD) spricht bei der Fahrrad-Aktionsralley  (Foto: Birgit Höfer)

Bei einer Fahrradrallye des Bündnisses Mobilitätswende Düsseldorf zur Kommunalwahl ging es am 29.8.2025 zu Orten mit strittigen Planungen und zu zukunftsweisenden Orten: Dort gab es von Detlev Wöske und Anja Leonhard moderierte Redebeiträge:

Am Startpunkt Konrad-Adenauer-Platz waren sich Uli Schürfeld (Baumschutzgruppe), Sigrid Lehmann (Die Linke) und Julia Marmulla (OB-Kandidatin der Linken) einig, dass Kurzzeitparkplätze auf dem Bahnhofsvorplatz nicht mehr zeitgemäß sind. Der vorhandene Platz muss ÖPNV einschließlich Schienenersatzverkehr, Fußgängern und Radfahrern dienen. Die Schaffung eines Nadelöhrs durch eine geplante Parkhauszufahrt würde Bussen und Radfahrern nur eine gemeinsame Spur lassen. Ohne Kurzzeitparkplätze können auch viele der schattenspendenden Bäume erhalten werden - ein Gewinn fürs Stadtklima.

Der Treffpunkt vor Konrad-Adenauer-Platz Nr. 13 war nicht zufällig: Das alte Gebäude des Landesrechnungshofes wird vom Bündnis als oberirdische Fahrradgarage vorgeschlagen, als Ergänzung zur Fahrradgarage im möglichen Angstraum Bunker. Die Linke tritt für einen Ausbau des ÖPNV und des Radnetzes ein, wobei die vielen Pendler in den Zielwerten des Modal Split - anders als derzeit üblich - berücksichtigt werden müssen.

Am Graf-Adolf-Platz warnte Mirja Cordes (Grüne), die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, aus den jahrelangen Erfahrungen ihrer politischen Arbeit davor, die Komplexität einer Verkehrswende zu unterschätzen. Mobilität sei ein wichtiges Bedürfnis, Verhaltensänderung werde leicht mit Vorstellungen von Verzicht in Zusammenhang gebracht, nicht mit persönlichen Gewinnen.

Barbara Kempnich (Projekt "Eine Strasse") nannte Verkehrsberuhigung als eine wichtige Voraussetzung für mehr Leben und Aufenthaltsqualität auf der Graf-Adolf-Straße. Neben Autos soll es mehr Radfahrer und Fußgänger geben und insgesamt mehr Aufenthaltsqualität. Wichtig sind dabei konsumfreie Aufenthaltsflächen, nicht nur Gastronomie. Dort soll der Lärmpegel so niedrig sein, dass die Menschen kommunizieren können. Dann kann sich die Straße entwickeln.

Fabian Zachel (OB-Kandidat der SPD) versprach am Corneliusplatz, mit ihm werde man bei der Verkehrswende ans Machen kommen. Es gebe gute Planungen und Beschlüsse wie die Radleitrouten, aber diese müssten nun auch endlich umgesetzt werden. Sein Vorschlag für die Kö sei, diese zur Fahrradstraße zu machen, so dass Fahrräder Vorrang haben. Lieferverkehr müsse möglich sein, Lieferzonen wie an der Luegallee vorstellbar.

Christopher Schrage (Klimaliste) sprach sich klar für eine autofreie Kö und eine autoarme Innenstadt insgesamt aus.

Die Einkaufszone bis zur Schadowstraße mussten die Teilnehmer der Ralley schiebend zurücklegen, weil eine Fahrradverbindung hier keine Mehrheit in der Politik fand. In der Schadowstraße wurde sehr langsam und mit viel Geklingel gefahren, um Kollisionen mit den Fußgängern auf dem schlecht abgegrenzten Radweg zu vermeiden.

Jan-Philipp Holthoff (ADFC) lobte beim Übergang in den Abschnitt Am Wehrhahn die neue von Breite und Markierung her vorbildlich ausgeführte Fahrradstraße in Düsseldorf, leider nur 250 Meter lang. Dies sorgte für Erheiterung beim Publikum. Dieses Stückchen wird erst dann wirklich wirksam für den Radverkehr, wenn die Ost-West-Radroute 2, die hier von der Jacobistraße einmünden soll, und die Nord-Süd-Radroute 3 auf der Kölner Straße umgesetzt sind. Dann erreichen diesen Punkt am Anfang des Düsseldorfer Einkaufsviertel viele Radler aus allen Richtungen auf schnellen Radverbindungen. Daher messe der ADFC dem Radweg auf der Schadowstraße hohe Bedeutung zu.

Weiter ging es an die Schinkelstraße zu einer der neueren Düsseldorfer Mobilstationen, mit denen die Stadttochter Connected Mobility Düsseldorf (CMD) Mobilitätsangebote wie Car Sharing, Ladesäulen und Radabstellanlagen kombiniert mit Sitzgelegenheiten und Begrünung (in Kooperation mit der Initiative Platzgrün).

Anne Hahn (Spitzenkandidatin von Volt) fand, dass ein Leben ohne Auto Vorteile für die Gesundheit habe, über die zu wenig gesprochen werde: Mit Radfahren und Gehen in Kombination mit ÖPNV tut man etwas für seine Gesundheit. Auch mit Kindern könne man in Düsseldorf ohne Auto mobil sein. Andere Städte wie Paris und Kopenhagen würden vormachen, wie man mit entsprechendem politischen Willen mehr für eine lebenswerte Stadt erreichen könne.

Zum Thema Parkraummanagement erinnerte sie daran, dass sich in Düsseldorf keine politische Mehrheit gefunden habe, die Kosten für Anwohnerparken im öffentlichen Raum deutlich zu erhöhen. Bei einer Gebühr für Anwohnerparkausweise von 45 € (im Jahr!)  im Vergleich zu einer marktgerechten Miete für einen Stellplatz von 144 € (monatlich!) brauche sich niemand zu wundern, dass so viele Autos an der Straße geparkt werden.

Christian Rütz (CDU) erläuterte aus seiner umfangreichen politischen Arbeit in verschiedenen Ausschüssen, dass es zum Vorgehen bei der Verkehrswende immer wieder Diskussionen gebe. Die Planung der Stadt sehe seit Jahren eine Verschiebung des Modal Split weg vom Kfz-Verkehr vor. Für die Verkehrswende seien Anreize wichtig, damit es Akzeptanz gebe. Man könne den Menschen eine Abschaffung des Autos nicht vorschreiben. Für eine bessere Akzeptanz müsse der ÖPNV ausgebaut werden und komfortabel werden, z. B. erhöhte Barrierefreiheit. Ein schwieriges Thema sei bekanntermaßen das Parkraummanagement; hier gebe es unterschiedliche Meinungen zur Stringenz des Vorgehens. Ein wichtiger und erfolgversprechender Ansatz sei, Parken vom öffentlichen Raum in den privaten Raum zu verlagern.

Bernhard Hermann (NaturFreude Düsseldorf) hob hervor, dass das Thema Barrierefreiheit nicht nur Behinderte und Kranke betreffe; Reisende mit Koffer oder Kinderwagen seien von Schwierigkeiten an zu wenig abgesenkten Bordsteinkanten oder Spalten und Höhenunterschieden beim Einstieg in den ÖPNV ebenso betroffen. Das Umsetzungsdefizit der gesetzlichen Anforderungen an Barrierefreiheit sei in Düsseldorf noch erheblich und auch im Städtevergleich schneide Düsseldorf schlecht ab.

Schließlich erreichte die Ralley ihren Zielpunkt am Paulusplatz, wo kürzlich die erste Düsseldorfer Nachbarschaftszone eingerichtet wurde. Vor Ort nahm die Extinction Rebellion mit einem satirischen Fragespiel die zögerliche Umsetzung von Klima- und Energiewende in Düsseldorf aufs Korn.

Philipp Schlee (Bezirkbürgermeister BV 2) und Sprecher*innen der Elternpflegschaft GS Paulusplatz hoben hervor, dass die Anwohner sehr froh darüber sind, dass die Einrichtung der Zone erreicht wurde. Die Kinder auf dem Weg zur am Platz gelegenen Grundschule werden nun in einer Nebenstraße abgesetzt, wenn sie noch mit dem Auto gebracht werden. Neue Begrünung auf entsiegelten Flächen fällt positiv ins Auge. Der Platz wird noch weiter belebt werden mit Sitzgelegenheiten. Der in der Presse berichtete Aufschrei über die sehr grellen großflächigen Markierungen sei keinesfalls als Zweifel zu deuten gewesen an dem großen Gewinn für Sicherheit und Aufenthaltsqualität, den die Anwohnergemeinschaftschaft durch die Nachbarschaftszone habe.

Ein Wunsch für Düsseldorf: Mehr davon!

Zur Übersicht