Pflegeeinsatz im Further Moor
(Foto: Birgit Höfer)
Lehmklumpen, die an den Sohlen mit jedem Schritt in die Luft gehoben werden und kalter Wind, der einem ins Gesicht peitscht. Wie soll man sich eine Moorrenaturierung vorstellen? Das Lied „Moorsoldaten", das von KZ-Häftlingen geschrieben wurde, die im Dachauer Moos Torf stechen mussten, kommt mir in den Sinn …
Treffpunkt zur Pflegeaktion im Further Moor ist ein Parkplatz nahe einer Autobahn zwischen Leichlingen und Langenfeld. Ich bin erstaunt wie viele Menschen die Aktion der Biologischen Station mit NABU Langenfeld und Offenlandstiftung hat mobilisieren können. Im nassen Moor zu arbeiten, ist seit Menschengedenken keine beliebte Aktivität. Ich hab mir den Tag zuvor extra Gummistiefel gekauft. Aber diesmal werden wir mit Rechen und Heugabeln statt Spaten ausgestattet und sollen das zuvor maschinell gemähte Schilf, Gras und Gestrüpp zusammenharken und transportfähig machen. Der Schnitt entspricht der Nutzung des Moors in früheren Jahrhunderten. Sonst wäre es schon verbuscht.
Die Luft riecht enorm frisch. Als Stadtkind hab ich mir ein Moor etwas modriger riechend vorgestellt. Dabei gleicht das Moor, so wie wir davor stehen, einer etwas wässrigen umwaldeten Lichtung, die zum Großteil mit Gräsern und Schilf bewachsen ist. Das Highlight an Pflänzchen ist definitiv die für Feuchtheiden typische Glocken-Heide (Erica tetralix), doch im Frühjahr sollen sogar Orchideen an diesem Moor wachsen.
Wir harken Schilf zusammen, pieken und heben mit Heugabeln das Schilfhäufchen auf die Plane, ziehen diese, die Ösen greifend, neben den Anhänger und hieven die Häufchen dann auf den Wagen. Eine Person springt dann, meist lachend, auf den Haufen herum, um Platz zu schaffen.
Ich bemerke, dass sogar Kinder und Jugendliche dabei sind. Mit einem Mädchen, das begeistert kleinen Fröschen hinterherhüpft, um sie zu fangen, komme ich ins Gespräch. Sie erzählt begeistert, wie sehr sie Amphibien liebt und dass sie später mal in einer Schutzstation für solche arbeiten will.
Die ersten zwei Stunden sind wir als Gruppe echt zügig unterwegs. Es ist von den Veranstalter*innen sogar an eine Pause mit Brötchen und Gebäck gedacht worden und an selbstgepressten Apfelsaft von Haus Bürgel.
Beim Umrunden einer großen Pfütze bemerke ich, Brötchen kauend, Rehspuren im Wasser. Das Wasser ist enorm klar, und die flächendeckenden Moose glitzern grün unter der Wasseroberfläche. Ein umgefallener Jägerhochsitz ist am einen Ende der sandigen gerodeten Fläche zu sehen. Dort wo statt Wald, der dem Moor das Wasser entzieht und Samen für junge Bäume aussät, gerodete Fläche ist, soll wieder eine Heidefläche mit Ginster entstehen. 3 Meter weiter wurde der Hochsitz neu aufgebaut. Es ist enorm friedlich, auch wenn man die vorbeifahrenden Autos hören kann, wenn man sich darauf konzentriert.
Sich nach einer Pause wieder aufzuraffen, ist immer schwer. So schwindet die Zahl der Helfenden je weiter wir uns an die hinter der Schilfinsel versteckte Rückseite des Moors vorarbeiten. Ich höre immer öfter den Spruch „Junger Mann, pack mal an" oder Variationen davon. Dabei sind die meisten Anwesenden Frauen. Doch ich merke auch, wie ich kräftemäßig an meine Grenzen komme, sowas ärgert mich immer. Ehe man sich versieht, ist man nach Beladen der letzten Plane nicht mehr als 6 Personen. Zum Glück reicht das, denn der zweite Anhänger ist voll. Also machen wir Letzten uns auch daran, aufzuräumen und heimzufahren. Von einer Organisatorin des Nabu werde ich mit einem anderen BUND Mitglied netterweise sogar an die nächstgelegene S-Bahnhaltestelle gefahren.
Retrospektiv haben wir zusammen ein ordentliches Maß an Arbeit geschafft. Und wenn man sich überlegt, wie wichtig gesunde Moore für unsere Natur sind, wieviele Tonnen CO2 ein gesundes Moor binden kann, dann kann man letztlich einfach stolz sein, bei so einer Aktion mal dabei gewesen zu sein. Leider sind deutschlandweit noch zu viele Moore oder wie man südlicher sagt: „Moose", trockengelegt, sei es für Landwirtschaft oder um, im schlimmsten Falle, Flächen für wirtschaftliche Zwecke zu asphaltieren.
Ich find's super als Normalbürgerin bei der Pflegeaktion dabei gewesen zu sein. Für jede*n, der/die sich dazu entschließt, das nächste Mal dazuzukommen: Spart euch die nassen Füße, kauft euch hohe Gummistiefel, falls ihr noch keine habt.
Eindrücke von Moorlandschaft und vielen Klimaschützern