Neuer Ladebordstein der Stadtwerke
(Foto: screenshot Internetseite Stadtwerke Düsseldorf v. 02.12.2025)
Aktuell ist der Umstieg von einem Verbrenner auf ein E-Auto für Menschen, die mitten in der Stadt in Mietshäusern leben kaum machbar, weil es meist zu wenig Ladestellplätze in unmittelbarer Umgebung gibt. Die Stadt bzw. die Stadtwerke arbeiten zwar systematisch am Ausbau der Ladeinfrastruktur - das Schnellladenetz wird ausgebaut, Ladestationen in Parkhäusern und auf Firmengeländen installiert, in Summe gibt es bereits 1.500 öffentliche Ladepunkte - aber Ladesäulen am Strassenrand vor der Haustüre sind noch immer Mangelware.
Um dies zu ändern haben die Stadtwerke im Juni 2025 angefangen die ersten Ladebordsteine in der Derendorfer Allee 19-21 zu installieren. Nach einem einjährigen umfassenden Stress-Test von Prototypen auf dem Betriebshof, wurden die Ladebordsteine in Derendorf 60 Tage in der Praxis getestet, regelmässig überprüft und Kunden befragt.
Nach durchweg positivem Ergebnis wurden weitere Ladebordsteine in Flingern an der Metrostrasse 9 installiert und bis Jahresende 2025 sollen Standorte an der Elberfelder Straße und am Graf-Adolf-Platz dazukommen und in Summe 23 Ladebordsteine im Stadtgebiet zur Verfügung stehen. In 2026 könnte bereits die Hälfte der neu geplanten Ladestationen aus Ladebordsteinen bestehen.
Was sind Ladebordsteine und wie funktionieren sie?
Ladebordsteine sind spezielle Bordsteine, einen Meter lang und wie ein normaler Bordstein aus Beton. In eine Aussparung wird das Lademodul mit einem Gehäuse aus Edelstahl und Aluminium eingesetzt. Ist das Modul beschädigt oder defekt, kann es über eine Schnellkupplung entnommen und durch ein neues ersetzt werden. Das hat auch den Vorteil, dass bei der Verlegung von neuen Bürgersteigen schon Ladebordsteine ohne Lademodul mit verbaut werden können, die bei Bedarf nachgerüstet werden können.
Jeder Ladebordstein verfügt über ein integriertes Kühl- und Heizkonzept. So lässt sich auch bei Hitze und Schnee zuverlässig tanken. Sie sind wasserdicht verkapselt, bei Überschwemmung wird der Ladevorgang automatisch unterbrochen. Hunde finden die Bordsteine offenbar wenig attraktiv, bisher gab es keine Probleme mit Verunreinigungen und das Modul ist unkompliziert mit dem Stecker zu öffnen, so dass kein Anfassen nötig ist. Außerdem werden die Bordsteine regelmäßig von einem Team der Stadt gereinigt.
Das Lademodul kann sowohl Wechselstrom (AC) - geladen wird mit bis zu 22 kW - als auch Gleichstrom (DC) bereitstellen. In Zukunft ist auch die Integration in Ladesystemstrukturen zum bidirektionalen Laden denkbar. Der Benutzer kann sein E-Auto über ein Kabel anschließen und der Ladevorgang startet automatisch, sobald die Verbindung mit einer Karte oder über die Lade-App hergestellt ist.
Vor- und Nachteile von Ladebordsteinen
Ladebordsteine sind sehr platzsparend, leicht zugänglich, einfach zu bedienen, weniger Vandalismus, der Einbau ist leichter als das Aufstellen einer Ladesäule und sie stören den Denkmalschutz nicht. Über den Bürgersteig gelegte Ladekabel, die zwar verboten aber doch häufig genutzt werden, sind nicht mehr nötig.
Bemängelt wurde bisher in einigen Fällen lediglich eine unzureichende Beleuchtung, die schlechtere Sichtbarkeit im Vergleich zu Ladesäulen und mit 5.000€ ist die Installation etwas teurer als die einer Ladesäule. Außerdem reicht der Laternenstrom meist nicht fürs Laden, so dass die notwendige Stromzufuhr verlegt werden muss.
Fazit
Wir meinen: eine gute Lade-Lösung für die Innenstadt. Aber: So klimafreundlich E-Autos auch gegenüber Verbrennern sind: Wenn sie wie die Verbrenner eher als Stehzeuge statt Fahrzeuge genutzt werden und den größten Teil des Tages enorm viel Platz fürs Rumstehen brauchen, ist für die Aufenthaltsqualität in den Städten nichts gewonnen.
Der Ausbau der Ladeinfrasturktur darf aber nicht zu Lasten des Ausbaus des ÖPNV-Angebots und des Radwegenetzes gehen. ÖPNV und Rad sind die ökonomischsten und ökologischsten Alternativen zum PWK Verbrenner in der Stadt und sollten immer erste Priorität haben.