Baustelle Sandfang Anger
(Foto: Birgit Höfer)
Zwischen Haus Bilkrath und der Bahnstrecke bei Angermund ist der naturnahe Ausbau der Anger in vollem Gange. Die Teilnehmer der Gewässerschau dürfen die weitläufige Baustelle über die mit Stahlplatten ausgelegte Baustraße betreten. Dennoch hat fast jeder lehmige Stiefel, bis der Durchlass unter der Bahnlinie erreicht ist. Hier wird die Anger deutlich aufgeweitet, um Retentionsraum zu schaffen. Frau Schäfer vom Rheinisch-Bergischen Wasserverband (BRW) erläutert die Baumaßnahmen:
Direkt hinter dem Angerdurchlass reguliert eine Steinschüttung mit Überlauf das Wasser so, dass auch bei Niedrigwasser eine normale Wassertiefe und -strömung verbleibt, bei viel Wasserführung das Wasser in ein Becken überlauft, das als Sandfang dient. Hier ist eine große Schotterfläche eingerichtet, auf der ausgebaggertes Sediment getrocknet wird, bevor es abgefahren wird. So wird die große Sedimentfracht der Anger aus dem Bergischen Land abgefangen, bevor die Anger ohne starkes Gefälle den restlichen Weg bis zum Rhein zurücklegt. Auf dem nördlichen Ufer ist dafür ein neuer Betriebsweg zur Abfuhr und Unterhaltung nötig. Für Fußgänger wird diese Sackgasse zugänglich sein.
Das nördliche Ufer wurde abgeflacht und die Erdmassen am gegenüberliegenden Ufer auf dem dort problematischen Knöterich in einem großen wallartigen Landschaftsbauwerk aufgebracht. Das Gewicht soll den Knöterich am erneuten Ausschlagen hindern. Der Wall wird mit Gräsern und Kräutern bepflanzt. Auch ein Steilufer ist eingebaut für Zielarten wie den Eisvogel. Die Renaturierungsmaßnahme findet auf Flächen privater Eigentümer statt. Die Flächen wurden langfristig durch Gestattungsvereinbarungen gesichert.
Hinter Haus Bilkrath wurde der Oberboden in ca. 2 Meter Dicke abgetragen und abgefahren, um auch hier die Fläche von Knöterich zu befreien. Hier steht genug Raum für neue Mäander der Anger zur Verfügung. Auf dem Weg zu Schloß Helthoff säumen einzelne Gebäude den Weg, die bisher regelmäßig von Hochwasser überflutet werden. Mit Fertigstellung der besichtigten Renaturierungsmaßnahmen soll das der Vergangenheit angehören.
Die Anger umrundet bei Schloss Helthoff den Park Dickenbusch, der eigentlich nur im Sommer für Publikum geöffnet ist. Heute gibt es aber ausnahmsweise eine Führung mit einem kundigen Führer, der zu jedem der alten Bäume und Baumruinen eine Geschichte erzählen könnte. Die Anger speist diverse Teiche und Wasserläufe im Park. Es ist nicht einfach, ihr zu folgen, und an einer kürzlich erst abgebauten alten Brücke muss die Gruppe sich einen anderen Weg suchen, um hinter dem Park wieder an die Anger zu gelangen.
Diese unterquert bald die neue B8 und erreicht bei Gut Groß-Winkelhausen, das noch gut als ehemalige Wasserburg zu erkennen ist, die Grenze des Düsseldorfer Stadtgebietes. Die Anger wurde hier mit einem Damm neben ihr natürliches Bett verlegt. Dort sieht man noch Mulden der ehemaligen Fischteiche. Auch dieser Bereich soll für eine Renaturierungsmaßnahme genutzt werden. Schließlich weist Herr Bode noch auf die archäologisch gesicherten Rest einer Ölmühle hin, die inzwischen unter dem erweiterten Damm der Autobahn A524 verschüttet sind.
Es war wieder eine spannende Gewässerschau und ich freue mich schon aufs nächste Jahr, wenn der Schwarzbach dran ist!
Protokolle und Ankündigungen der Gewässerschauen findet man hier.
Und hier geht´s zur Meldung von Teil I der Gewässerschau an der Anger.