BUND-Kreisgruppe Düsseldorf
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Dürre und Wasserhaushalt - Handlungsmöglichkeiten

12. August 2026 | Auen, Flüsse & Gewässer, Gewässerrenaturierung

Extremere Wetterlagen und Dürren im Rahmen des Klimawandels rufen nicht nur nach einer Verstärkung des Klimaschutzes. Auch beim Umgang mit dem Wasser in der Fläche kann viel getan werden ...

Niedrigwasser am Rhein bei Düsseldorf, teilbeladenes Lastschiff  (Foto: Birgit Höfer)

Das Niedrigwasser am Rhein ist für jeden sichtbar, die Einschränkung des Schiffstransportes fast täglich in der Presse und der Ruf nach einer Vertiefung des Rheins laut.

Die Wasserkrise betrifft aber den gesamten Grundwasserhaushalt.

Niedrigwasser und Grundwasserstände

Der BUND NRW führt in seiner PM vom 06.08.2026 aus: “Dabei ist das Niedrigwasser im Rhein nur ein Teilaspekt einer deutlich umfassenderen Wasserkrise. Nach aktuellen Daten des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK) weisen Ende Juli 46 Prozent der Grundwassermessstellen niedrige bis sehr niedrige Wasserstände auf. Gleichzeitig sind 94 Prozent der Landesfläche von ungewöhnlicher Trockenheit oder Dürre betroffen – Tendenz steigend. Und auch der Niederschlag pro Quadratmeter erreichte im Juli mit durchschnittlich lediglich 18 Litern landesweit – rund 79 Prozent weniger als im langjährigen Mittel – ein neues Tief. Diese Entwicklung hat bedrohliche Folgen für alle Ökosysteme.

„Diese Zahlen zeigen, dass wir nicht nur über den Rhein sprechen dürfen. Was wir brauchen, sind langfristige und nachhaltige Lösungen – für alle Gewässer und Flächen“, so von Kampen. „Wir können die Folgen der Trockenheit nur mit umfassenden Maßnahmen begrenzen. Dazu gehören mehr Schwammlandschaften, die Renaturierung unserer Flüsse und Auen, ein sparsamerer Umgang mit Wasser sowie ein nationaler Plan für Wasserknappheit. Bei Nutzungskonflikten müssen die Trinkwasserversorgung und der Erhalt unserer Natur Vorrang vor wirtschaftlichen Einzelinteressen haben.“ Der BUND fordert deshalb, die Wasserstrategien der Bundes- und Landesregierung konsequent umzusetzen.

Statt weitere Eingriffe für eine uneingeschränkte Schiffbarkeit vorzunehmen,  muss der Gütertransport durch niedrigwassergängige Schiffstypen und eine stärkere Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene klimaresilient aufgestellt werden. Die Binnenschifffahrt ist an die Flüsse anzupassen – nicht umgekehrt.” 

Bedeutung von Überschwemmungsflächen

Der BUND NRW stellt zu den Handlungsmöglichkeiten fest: "Statt einer echten Trendwende hin zu einem vorsorgenden, ökologischen Hochwasserschutz gibt es in NRW bislang vor allem eine Fülle von Konzepten und Strategien, die jedoch das zentrale Problem – die Konkurrenz um die Flächennutzung – nicht angehen. Zwar hat die Landesregierung die finanziellen und personellen Mittel für den Hochwasserschutz deutlich erhöht und mit dem im Februar unterzeichneten „Pakt für Hochwasserschutz“ endlich einen verbindlicheren Rahmen für die dringend notwendige Zusammenarbeit in Flusseinzugsgebieten geschaffen. Doch einen konsequenten Vorrang für den Schutz von Überschwemmungsflächen in Risiko- und Vorsorgebereichen gibt es nach wie vor nicht.

Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND NRW: „In Zeiten zunehmender und wenig kalkulierbarer Hochwasserkatastrophen braucht es einen ganzheitlichen Schutzansatz, der den Flüssen endlich den Raum in der freien Landschaft gibt, um sich ausbreiten und das Wasser für einen längeren Zeitraum speichern zu können. Nur so kann das Versagen von technischen Bauwerken wie Deichen und Hochwasserrückhaltebecken bei Extremsituationen verhindert werden. Dass eine Bebauung und Versiegelung von Risikobereichen noch immer möglich ist, ist skandalös.“

Wie schwierig die Umsetzung dieses Ansatzes ist, zeigt der jahrelange Streit um den Himmelgeister Rheindeich in Düsseldorf. Statt den dortigen, sanierungsbedürftigen Deich weiter ins Landesinnere zu verlegen, plant die Stadt Düsseldorf, ihn auf der alten Trasse neu zu bauen – und verschenkt damit bis zu 113 Hektar wertvollen Retentionsraums. Der BUND NRW klagte dagegen und bekam 2022 vor dem Oberverwaltungsgericht Münster recht: Die vom Verband geforderte Alternative einer Deichrückverlegung wurde nicht ausreichend geprüft. Diese würde Hochwasserspitzen abfangen, mehr Sicherheit für die Anwohnerschaft und zugleich deutliche ökologische Vorteile mit sich bringen. 

Simone von Kampen, politische Geschäftsführerin des BUND NRW: „Neben Starkregen und Hochwasser nehmen bei den Extremwetterereignissen auch Dürreperioden mit Wasserknappheit und Grundwasserstress zu. Überflutungsflächen sind die Antwort auf beides: Sie können das kostbare Wasser langfristig wie ein Schwamm in Boden und Pflanzen speichern. Durch die Verdunstung und Kühlung, die dadurch entsteht, können sie sogar die Hitze in unseren Städten mildern. Zudem schaffen wiederhergestellte Auen neuen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen und fördern damit den Erhalt der Artenvielfalt.“ (aus der Pressemitteilung des BUND NRW zu 5 Jahren Ahrhochwasser vom 14.07.2026, Volltext hier)

Was tut der BUND Düsseldorf?

Die Grundwasserkörper werden über die Versickerung von Regenwasser aufgefüllt, an Gewässern und in Auenbereichen auch durch Versickerung von Flusswasser. Wichtig dafür ist die Anbindung der Auen an die natürliche Überflutungsdynamik der Gewässer. Der verlangsamte Wasserabfluss fördert eine Versickerung von Wasser in der Aue. Neben den positiven Effekten auf den Hochwasserschutz ein Grund, warum sich der BUND in Düsseldorf für die Rückverlegung des Deichs am Himmelgeister Rheinbogen einsetzt. Mehr Informationen zu dem strittigen Planungsverfahren und wie Sie uns unterstützen können hier.

Ist die Trinkwasserversorgung in Düsseldorf gefährdet?

Das Düsseldorfer Trinkwasser wird zu rund drei Vierteln aus Rheinuferfiltrat gewonnen. Das Verfahren ist in einem Beitrag der Stadtwerke Düsseldorf (SWD) zur Vorbereitung auf die Dürre mit einer sehr anschaulichen Grafik erläutert. Entscheidend für die gleichbleibende Trinkwasserqualität auch bei Schadstoffaufkonzentration bei geringer Wasserführung des Rheins ist, dass das durch natürliche Filtration in den Sedimentschichten vorgereinigte Rohwasser auch noch eine technische Aufbereitung durchläuft. Die SWD formuliert wie folgt: “Aktuell ist die Düsseldorfer Trinkwasserversorgung stabil aufgestellt. Längere Trockenperioden und heiße Sommer können die Anforderungen an Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung jedoch erhöhen. Deshalb sind Monitoring, Speicher, Netze und langfristige Planung besonders wichtig.”

Weiterführende Informationen

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK NRW) veröffentlicht auf seiner Internetseite monatlich einen Hydrologischen Status NRW mit Angaben und Zeitvergleichen zu Niederschlägen, Bodenfeuchte sowie Wasserständen bei Grundwasser, Fließgewässern und Talsperren.

 

 

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