Nachbarschaftszone Paulusplatz 06/26
(Foto: BUND intern)
Hierzu trafen sich 20 Anwohner und Interessierte am 26. Juni, dem heissesten Tag im Juni, um über die weitere Entwicklung der Nachbarschaftszone am Paulusplatz zu diskutieren.
Zum Einstieg in den Workshop stellte Laura Groß, die das Projekt von Seiten der Stadt betreut, die Ergebnisse der im Mai durchgeführten Verkehrsmessungen sowie der Evaluationsbefragung im Bereich Paulus- und Schillerstrasse vor. An der Befragung haben sich 311 Personen beteiligt, was laut Laura Groß repräsentativ und eine erfreulich hohe Beteiligung für ein solches Format ist.
Ergebnisse der Verkehrsmessungen:
Durch die Einrichtung einer Bring- und Holzone für die Kinder der Paulusschule auf der Herderstrasse hat sich der Kfz-Verkehr in der Schillerstrasse vor der Grundschule um 28% reduziert. Die Einrichtung der verkehrsberuhigten Zone hat dazu geführt, dass 85% der Fahrzeuge langsamer fahren und sich die Durchschnittsgeschwindigkeit von 29 auf 21 km/h verringert hat. Die gemessene Höchstgeschwindigkeit reduzierte sich von 40 auf 30 km/h und der Anteil der Geschwindigkeitsüberschreitungen (>30 km/h) ging von 11,7 auf 0% zurück!
Ein sehr erfreuliches Ergebnis und weiteres Argument für die zügige Umsetzung von Tempo 30 Zonen vor Schulen und anderen Einrichtungen mit viel Fußverkehr!!
Ergebnisse der online-Befragung:
Bei den 311 Teilnehmenden war der Anteil an Anwohnern und Autofahrenden höher als 2024, die Verteilung nach Alter und Geschlecht war ausgeglichen und rund 50% hatten sich schon vorher aktiv an Beteiligungsformaten beteiligt.
54% der Teilnehmenden bewerten die Nachbarschaftszone als positiv, mehr als die Hälfte haben sie schon aktiv genutzt und 56% sprechen sich für eine dauerhafte Umsetzung aus. Frauen bewerten die Zone tendenziell positiver und Autofahrende durchgehend kritischer. Insgesamt zeigte die Umfrage ein breites und vielfältiges Meinungsbild und auch das Kommentarfeld wurde viel genutzt.
Im Detail waren 46% der Teilnehmenden der Meinung, dass sich die Möglichkeiten zum nachbarschaftlichen Austausch verbessert haben, 37% bewerteten die Aufenthaltsqualität als besser, 35% haben die Verkehrsberuhigung als positiv wahrgenommen, 24% die Verkehrssicherheit und 25% speziell die Verkehrssicherheit für Kinder.
Von den Fußgängern fühlten sich 69% sicher, von den Radfahrenden fühlten sich 60% sicherer im Vergleich zu 37% vorher. Die Unsicherheitswerte für Kinder sanken von 62% auf 28%. Autofahrende fühlten sich dagegen häufiger unsicher und bewerten die Verkehrssituation negativer.
Zentrale Kritikpunkte
Am häufigsten wurde die Bodenbemalung kritisiert, zum einen die als zu grell wahrgenommene Farbe, zum anderen die Anordnung, die als nicht eindeutig wahrgenommen wird. Zweiter grosser Kritikpunkt ist die Parkplatzsituation - 10 Parkplätze sind weggefallen. Weiterhin gab es Kritik an einzelnen Gestaltungselementen und es wurde eine transparente und regelmäßige Kommunikation angemahnt.
Fazit
In fast allen Bereichen hat die Einrichtung der Nachbarschaftszone signifikante Verbesserungen gezeigt. Sie wird mehrheitlich positiv bewertet, die kritischen Bewertungen stammen überwiegend von Autofahrern. Die wahrgenommene Anonymität im Quartier hat abgenommen, die Aufenthaltsqualität hat sich deutlich verbessert und Sitzmöbel und Begrünung werden besonders positiv bewertet.
Wie geht es weiter?
Auf Basis dieser Ergebnisse hat die Stadt beschlossen die Nachbarschaftszone zu verstetigen und hierfür unter Berücksichtigung der Kritikpunkte und Rahmenbedingungen einen neuen Vorschlag erarbeitet. Dieser beinhaltet im Wesentlichen folgende Änderungen:
- Der Start der verkehrsberuhigten Zone wird sowohl auf der Paulusstrasse als auch auf der Schillerstrasse in Richtung Schule verschoben, wodurch sich die Zone verkleinert, aber ihr Sinn rund um die Schule für die Autofahrer deutlicher wird.
- Die gelben Markierungen auf der Strasse werden entfernt oder übermalt, farbige Streifen soll es nicht mehr geben, nur noch runde Punkte. Als Farbe wird weiss vorgeschlagen.
- Ein Fahrradständer auf der Schillerstrasse rechts vor der Schule wird näher vor die Schule versetzt und das Parklet entfernt, was wieder 2 Parkplätze freimacht.
- Das Parklet rechts vor der Kirche wird entfernt, so dass 3 weitere Parkplätze wieder verfügbar werden.
In der anschließenden Gruppenarbeit wurden diese Änderungsvorschläge diskutiert und weitere Änderungen vorgeschlagen. Die Wesentlichsten waren:
- Da das Parklet rechts vor der Kirche nach Meinung der Teilnehmer viel mehr genutzt wird als das auf der Paulusstrasse vor der Bücherei, wird angeregt, das Parklet vor der Bücherei zu entfernen, was 2 Parkplätze frei macht und das rechts vor der Kirche so zu versetzen, dass einer von den 3 Parkplätzen wieder verfügbar wird. Dafür spricht auch, dass die Blumenpflege des Parklets vor der Bücherei schwierig ist, weil es so weit vom Wasseranschluss weg ist und sich von Seiten der Bücherei/Kirche niemand kümmert.
- Das wegfallende Parklet rechts vor der Schule sollte nicht entfernt sondern näher an die Schule versetzt werden und die dort stehende Bank ohne Rückenlehne ersetzen.
- Es werden weitere Fahrradstellplätze für nötig gefunden, auch für Lastenräder und mit mehr Platz pro Rad. Diese sollten so plaziert werden, dass sie illegale Haltemöglichkeiten blockieren.
- Durch die Verkleinerung des verkehrsberuhigten Bereiches werden wieder höhere Geschwindigkeiten vor dem Bereich erwartet, hier sollte es ein Monitoring mit weiteren Verkehrsmessungen geben bzw. generell sollte etwas für die bessere Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung getan werden.
- Als alternative Farben wurden beige oder grün vorgeschlagen.
- Es wird ein Halteplatz für die Lieferdienste benötigt.
- Es soll klarer gekennzeichnet werden, wann in der Hol- und Bringzone auf der Herderstrasse geparkt werden darf.
- Die Kinder wünschen sich einen Sonnenschutz über der Spielfläche vor der Kirche sowie eine Skaterrampe.
Die Stadt wird die Änderungsvorschläge prüfen und ggf. Anpassungen vornehmen. Im 2. Halbjahr 2026 wird ein Evaluationsbericht erstellt und ein politischer Beschluss angestrebt. In 2027 soll dann die Umsetzung des Verstetigungsplans erfolgen.
Fazit der Veranstaltung
Aus Sicht der Teilnehmer war es trotz Hitze ein sehr produktiver Workshop. Der Kompromiss, dass nun 5 von 10 weggefallenen Parkplätzen wieder freigegeben werden und die Befürworter auf einige Sitzplätze mit Begrünung und mehr Platz verzichten sollte hoffentlich auch bei den kritischen Gemütern zu mehr Akzeptanz führen.
Insgesamt sind die erfreulichen Ergebnisse der Verkehrsmessungen und der Befragung ein klares Signal für die weitere Entwicklung von Nachbarschaftszonen und vor allem die zügige Umsetzung von Tempo 30 Zonen vor Schulen und anderen Einrichtungen mit viel Fußverkehr!!