Teilnehmer der Auwald-Exkursion
(Foto: Klaus Kurtz)
Zur Historie von Haus Bürgel - einem römischen Kastell
Bevor es in den Auwald ging, erläuterte Stefanie Egeling, wie sich der Verlauf des Rheins über die Jahrhunderte geändert hat. Er verlief früher an dieser Stelle in viel größeren Schleifen, die sich mehrfach geändert haben, so dass sich Haus Bürgel, ein altes römisches Kastell, ursprünglich auf der linken Rheinseite befand. Rechtsrheinisch war damals „Feindesland“. Im Fluss befanden sich viele Inseln an denen sich in kalten Wintern Eisschollen aufbauten, so dass sich der Rhein neue Wege suchen musste. Erst im 13. Jahrhundert gab es dann einen größeren Rheindurchbruch, bei dem sich der Rhein in Richtung des heutigen Verlaufs bewegt hat, so dass seither Haus Bürgel rechtsrheinisch liegt.
Die Taufkapellen-Ruine
Ein interessantes Detail sind noch die Überreste einer Taufkapelle im Hof von Haus Bürgel, die ursprünglich zu den umliegenden linksrheinischen Gemeinden gehörte. Nach dem Rheindurchbruch mussten nun die Gemeindemitglieder zu Taufen noch viele Jahre auf die andere Flussseite übersetzen. Die Umgebungsmauer besteht aus Bimsstein aus der Eifel, und im Boden befinden sich auch überall noch archäologische Funde aus der Römerzeit, da das Kastell ja am niederrheinischen Limes lag.
Die aktuellen Besitzer
Heute gehört Haus Bürgel der NRW-Stiftung und beherbergt neben der Biologischen Station, eine Kaltblutzucht und ein umfangreiches Römisches Museum.
Die ehemaligen Besitzer und das fruchtbare Ackerland
Auf dem Weg in den Auwald erfuhren wir, dass die Urdenbacher Kämpe von 1698 – 1989 den Grafen von Nesselrode gehörte und landwirtschaftlich genutzt wurde. Bei Hochwasser wurde die Kämpe regelmäßig überschwemmt, was zu nährstoffreichen Ablagerungen führte und die Kämpe zu sehr fruchtbarem Ackerland machte. Dies ist letztendlich auch der Grund, warum sie nie eingedeicht wurde. Die Grafen von Nesselrode haben sich nämlich in den 1930er Jahren erfolgreich gegen den geplanten Deichbau zur Wehr gesetzt, um ihre Bodenqualität zu erhalten.
Entstehung des Auwalds
Der Auwald mit Eichen, Ulmen und Eschen wurde gezielt angepflanzt, um das Kastell vor Hochwasser und Eisschollen zu schützen, und vor die Eichen wurden als weitere Barriere Hainbuchen gesetzt. Diese sind sehr austriebsfreudig und man kann sie nach Bedarf zurechtstutzen. Allerdings benötigen sie feuchten Kopf und trockene Füße.
Über die Hartholzaue
Auwälder zeichnen sich aufgrund der eng nebeneinander liegenden niedrig/hoch liegenden bzw. den trocken/feuchten Strukturen durch eine hohe Artenvielfalt aus. Die hoch liegenden und trockeneren Bereiche sind die Hartholzauen, typischerweise bewachsen mit Stileichen, Eschen, Flatter- und Feld-Ulmen, die gelegentliche Überschwemmungen sowie Trockenheit vertragen. Inzwischen macht sich in der Hartholzaue die Walnuß breit. Sie verträgt eigentlich kein Hochwasser, es wird sich also zeigen müssen, ob sie hier standhält.
Schädlinge und Lebensgemeinschaften
Leider befindet sich die Hartholzaue durch verschiedene eingeschleppte Schädlinge im Umbruch: Die Eschen sind von einem Pilz befallen, der aus Asien stammt, sich durch fliegende Samen schnell ausbreitet und dazu führt, dass die jungen Bäume von den Spitzen her schnell absterben. Und auch die alten Bäume sterben inzwischen langsam ab. Vorraussichtlich wird es sich nicht verhindern lassen, dass die Eschen dadurch ganz aussterben. Es werden daher auch keine neuen nachgepflanzt.
Und die Ulmen werden vom „Splintkäfer“, einer Borkenkäferart, befallen, die sich an Schadstellen in die Rinde bohren. Die Rinde platzt dann irgendwann ab und der Baum stirbt schon jung ab.
An einer Ulme waren Blätter mit dicken Pickeln auf der Oberfläche zu sehen. Dies sind „Gallen“, die nach dem Stich einer Gallwespe um die Eier und Larven auf dem Blatt gebildet werden. Es handelt sich um eine Art Lebensgemeinschaft, der Ulme schadet dies nicht.
Unter den Bäumen
Typische Pflanzen im Auwald sind z.B. Schöllkraut (Warzenkraut), dessen weisser Saft gegen Warzen helfen soll, die Waldrebe, der Ahornstab (giftig) oder Hopfen. Der Hopfen hat Wiederhaken zum Ranken, und die Blätter sollen spargelähnlich schmecken. Für Bier können übrigens nur die weiblichen, nicht befruchteten Blüten verwendet werden, weshalb Hopfengärten nur weit weg von natürlichen Vorkommen angepflanzt werden. Durch die Befruchtung und bei älteren Blüten verändert sich der Geschmack und es wird ein Stoff gebildet, der das Schäumen verhindert.
Weiterhin gehören in den Auwald die Kloblauchsrauke - sie hat im Winter runde, im Sommer dagegen spitze Blätter -, der Bärlauch - er bildet ein Öltröpfchen an der Blüte, das von Ameinsen mitgenommen und verbreitet wird -, das Scharbockskraut - die Vermehrung erfolgt durch die Bulbillen, die im Mai abfallen, an der Erdoberfläche überwintern und im Frühjahr wieder auskeimen -, Moschuskraut - es hat würfelförmige Samen -, die Stachelbeere sowie die Johannisbeere. Die großen Blätter der Pestwurz eignen sich gut als Klopapier in der Natur.
Holunder, Brennnessel und Klettenlabkraut sind „Stickstoffanzeiger“, d.h. sie zeigen einen sehr nährstoffreichen Boden an. Wenn es zu viele werden, ist das schlecht für die Aue.
Über die Weichholzaue
Als Weichholzaue werden Bereiche definiert, die mindestens 1 mal jährlich überflutet werden. Hier findet man Schwarzpappeln und Weiden (Bruch-, Silberweide). Die Pappel hat weiches Holz und wenig Gerbstoffe und ist daher leichter angreifbar. Einige Pappeln beheimaten Misteln. Dies sind Schmarotzer, die schon geschwächte Bäume befallen, sich in Rindenwunden einnisten und und sich über den Baum mit Nährstoffen versorgen.
Am Wasser
Nah am Wasser stehen dann die Strauch- und Korbweiden, die am meisten Wasser vertragen können, sowie Schilf. Typisch für eine Flussaue ist noch der knollige Kälberkopf. Die Wiesen am Flussufer sind auch sehr wichtig für die Artenvielfalt und werden von Schafen freigehalten.
Und im Kiesstrand legt der Flußregenpfeifer seine Eier ab. Wenn Nester festgestellt werden, werden diese besonders vor Spaziergängern gesichert, da man sie kaum erkennen kann.
Neophyten
Unter den Bäumen breitet sich inzwischen die schwarze Walnuß auf. Diese ist hier nicht heimisch und daher nicht so gern gesehen. Die Roßkastanie ist auch ein Neophyt, der nicht hier hingehört.
Unter den invasiven Pflanzen ist besonders der japanische Staudenknöterich zu erwähnen, der schnell und stark wächst und unter dem nichts anderes mehr wächst. Ihn zu entfernen, ist sehr aufwändig. Man muss ihn entweder mehrere Jahre hintereinander abmähen oder ihn 2m tief ausgraben.
Ebenfalls problematisch ist der Riesenbärenklau. Die Härchen und Säfte der Pflanze sind phototoxisch, d.h., wenn man diese auf die Haut bekommt und dann in die Sonne geht, führt das zu Verbrennungen. Daher ist die Entfernung der Pflanzen eine durchaus gefährliche Angelegenheit und nur mit Vollschutz möglich.
Weiterhin ist das drüsige Springkraut eingewandert.
Schutz der Aue
Den Schutz der Aue mit den Bedürfnissen der Menschen nach Erholung im Grünen zu vereinbaren, ist nicht so ganz einfach. So versucht man, unerwünschte Nutzung der Aue durch niederschwellige Massnahmen, wie immer wieder Wegräumen von Feuerstellen, Hängematten zwischen Bäumen u.ä. zu reduzieren. Das leider immer wieder festzustellende Abladen von Gartenmüll in der Aue geht dagegen gar nicht! Hierdurch werden immer wieder Pflanzen eingeschleppt, die hier nicht hingehören.
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Der Verlauf des Rheins über die Jahrhunderte und die Pflanzen und Bäume im Auwald in Fotos von Thomas Greve und Stephanie Schauhoff