Lösungen für die Energiewende
(Bild: Ki generiert)
Da Windräder und Solaranlagen nicht gleichmäßig Strom liefern, brauchen wir neben dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren vor allem Speicher. Aber auch andere Lösungen können helfen. Die folgenden drei Beispiele aus Australien, Finnland und den Niederlanden zeigen, wie unterschiedlich die Lösungen aussehen können.
Australien: Strom verbrauchen, wenn die Sonne scheint
In mehreren australischen Bundesstaaten können Haushalte inzwischen zu bestimmten Zeiten rund um die Mittagsstunden kostenlos Strom beziehen. In New South Wales und Queensland gilt das Angebot beispielsweise von 11 bis 14 Uhr.
Der Grund ist einfach: Zu dieser Zeit liefern die vielen Solaranlagen besonders viel Strom. Das Angebot kann so groß sein, dass Strom an der Börse zeitweise praktisch nichts kostet oder sogar mit negativen Preisen gehandelt wird. Mit den kostenlosen Stunden soll deshalb ein Anreiz geschaffen werden, gerade zu diesen Zeiten Strom zu verbrauchen: etwa für Waschmaschine, Geschirrspüler, Wärmepumpe oder Elektroauto.
Viele Vorteile: Die überschüssigen Kilowattstunden müssen nicht gespeichert werden. D.h. es sind keine zusätzlichen Investitionen für Speicherkapazitäten erforderlich und damit auch kein Resourcen- und Flächenverbrauch für Speicher. Es erspart den Stromproduzenten Negativpreise und dem Bürger Stromkosten. Plus: Das Stromnetz wird entlastet und weniger erneuerbarer Strom muss abgeregelt werden. Also eine Win-Win Situation für alle Beteiligten!
Aber: Dafür braucht es flexible Verbraucher und geeignete Stromtarife. Außerdem muss verhindert werden, dass kostenlose Stunden durch höhere Preise zu anderen Zeiten wieder ausgeglichen werden.
Das Prinzip könnte auch für Deutschland interessant sein. Denn auch hier gibt es zunehmend Zeiten mit sehr viel Solarstrom.
Die Nachricht wurde bei t-online veröffentlicht.
Finnland: Eine Batterie aus Sand
Im finnischen Pornainen steht eine ungewöhnliche „Batterie“: Ein großer Speicher enthält rund 2.000 Tonnen Sand als Speichermaterial und kann etwa 100 Megawattstunden Wärme speichern.
D.h. hier wird kein Strom gespeichert, sondern überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien erhitzt Luft auf mehrere hundert Grad, die wiederum den Sand erhitzt. Die Wärme wird in dem gut isolierten Speicher über längere Zeit gehalten und kann dann über das örtliche Fernwärmenetz direkt zum Heizen genutzt werden.
Die Vorteile: Die Technik kann Öl und Gas in der Wärmeversorgung zu ersetzen und stellt damit einen wichtigen Baustein für die Wärmewende dar. Plus: Die Technik ist vergleichsweise einfach und robust, sie liefert lange Speicherzeiten und hat kaum Bedarf an kritischen Rohstoffen.
Aber: Die gespeicherte Energie eignet sich vor allem für die Wärmeversorgung und Fernwärmenetze. Für die spätere Stromerzeugung ist die Technik weniger geeignet.
Die Botschaft aus Finnland: Ein guter Energiespeicher muss nicht unbedingt Strom speichern. Wenn wir Wärme brauchen, kann es viel sinnvoller sein, Wärme zu speichern.
Die Nachricht wurde in Der Standard veröffentlicht.
Niederlande: Eisen gegen die Dunkelflaute
Für eine andere Herausforderung wird derzeit in den Niederlanden ein neuartiger Großspeicher geplant: eine Eisen-Luft-Batterie mit einer Kapazität von rund einer Gigawattstunde.
Das Prinzip klingt zunächst ungewöhnlich: Die Batterie nutzt einen kontrollierten und umkehrbaren Rostprozess. Beim Entladen reagiert Eisen mit Sauerstoff aus der Luft. Beim Laden wird das Eisenoxid mithilfe von Strom wieder in Eisen umgewandelt. Benötigt werden hierzu Eisen, Wasser und Luft – also Materialien, die wesentlich leichter verfügbar sind als viele Rohstoffe herkömmlicher Batterien. Der geplante Speicher soll dabei nicht einzelne Häuser versorgen, sondern Strom ins Netz einspeisen.
Der entscheidende Vorteil liegt in der möglichen Speicherdauer. Während Batteriespeicher häufig dafür eingesetzt werden, Strom über einige Stunden zu speichern, soll die Eisen-Luft-Technik Energie über mehrere Tage verfügbar machen. Das könnte also helfen Dunkelflauten zu überbrücken. Plus: die vergleichsweise gut verfügbaren Rohstoffe.
Aber: Die Technologie befindet sich noch in der Entwicklung und muss sich im großtechnischen Einsatz erst bewähren. Wirkungsgrad, Kosten und Lebensdauer müssen sich erst im praktischen Betrieb beweisen.
Die Nachricht wurde bei chip.de veröffentlicht.
Was wir daraus lernen können
Die drei Beispiele könnten unterschiedlicher kaum sein:
- Australien setzt auf einen flexiblen Stromverbrauch: Energie wird genutzt, wenn besonders viel Solarstrom vorhanden ist.
- Finnland speichert erneuerbare Energie als Wärme und nutzt sie später für die Fernwärme.
- Die Niederlande setzen auf einen Langzeitspeicher, der erneuerbaren Strom auch über mehrere Tage verfügbar machen soll.
Genau diese Vielfalt brauchen wir für die Energiewende.
Es wird nicht die eine Speichertechnik geben, die alle Probleme löst. Wir brauchen unterschiedliche Lösungen für unterschiedliche Zeiträume: flexible Verbraucher für einzelne Stunden, Wärmespeicher für Tage und Langzeitspeicher für längere Phasen mit wenig Wind und Sonne.
Gleichzeitig bleibt der wichtigste Schritt: Wir müssen die erneuerbaren Energien weiter ausbauen und die Strom- und Wärmenetze fit für die Zukunft machen.
Die Beispiele aus Australien, Finnland und den Niederlanden zeigen aber: Die Energiewende ist nicht nur eine Herausforderung – sie bietet auch Chancen und Raum für neue Ideen.
Und manchmal lohnt es sich, einfach einmal zu schauen, was andere bereits ausprobieren.