Podiumsdiskussion mit OB-Kandidaten zum Thema Bebauung Nördlich Kalkumer Schloßallee
(Foto: Klaus Kurtz)
Worum geht es?
Nördlich der Kalkumer Schlossallee, zwischen der Stadtbahntrasse im Westen, der Straße Am Mühlenacker im Norden und Osten und der Kalkumer Schlossallee im Süden, ist die Entwicklung eines „Mehrgenerationen-Quartiers“ geplant. „Innovative“ Wohnformen für alle Generationen, Schul- und Sportflächen, ergänzende Nutzungen sowie eine den Ortsrand abschließende „hochwertige“ freiraumplanerische Gestaltung sollen das Areal zu einer lebendigen Nachbarschaft formen. (Zitate, auch die folgenden stammen von der Webseite des Stadtplanungsamts). „Ein innovatives Mobilitätskonzept, Maßnahmen zur Klimaanpassung und die Verwendung zukunftsfähiger Energieträger im Sinne der Energiewende“ seien dabei „obligatorisch“. Wichtig sei aber auch, dass sich „das neue Gebiet in sein Umfeld einfügt und auch für dieses einen Mehrwert generiert“. Das Plangebiet ist ca. 34,5 ha groß und liegt im Stadtteil Kaiserswerth, direkt angrenzend an Wittlaer und Kalkum. Es handelt sich vorwiegend um Grün- und landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Kritik der Bürgerinitiative Grüner Norden
Zum Einstieg in die Diskussionsrunde erläuterte ein Mitglied der Bürgerinitiative Grüner Norden Düsseldorf die Bedenken und Einwände gegen dieses Bauvorhaben. Kritisiert werden wegfallender Erholungsraum, die Flächenversiegelung (15,2 ha ≙ 21 Fußballfeldern oder 56% der Fläche des Hofgartens), Eingriffe in ein Gelände, dass gleichzeitig als Wasserschutzgebiet, Kaltluftentstehungsgebiet, als Landschaftsschutzgebiet und außerdem noch als Starkregengefahrengebiet ausgewiesen ist, ein nicht ausreichendes Verkehrskonzept (bis zu 1.000 zusätzliche Schüler*innen und ca. 1.600 neuen Anwohner*innen). Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass das Bauvorhaben dem Kooperationsvertrag von CDU und GRÜNEN im Düsseldorfer Stadtrat widerspricht, in dem es heißt: "Neue Baugebiete auf der grünen Wiese lehnen wir ab".
Kritik vom BUND NRW
Dirk Jansen, Geschäftsführer des BUND NRW, eingeladen von der Bürgerinitiative, hielt einen sehr engagierten Vortrag zum Thema Klimaschutz, der ebenfalls den Widerspruch zum Kooperationsvertrag thematisierte, die aus BUND-Sicht sehr problematische Flächenversiegelung beanstandete und die negativen Auswirkungen solcher Baumaßnahmen auf den Naturschutz und die Biodiversität erläuterte.
Was äußerten die OB-Kandidat*innen dazu?
In der Podiumsdiskussion positionierten sich die OB-Kandidat*innen unterschiedlich zur Bebauung: Herr Zachel (SPD) hob besonders die Notwendigkeit von bezahlbarem Wohnraum hervor, priorisierte zuerst die Bebauung von bereits versiegelten Flächen im Stadtgebiet, wie z.B. leerstehendem Büroraum, und mahnte Verbesserungen beim Verkehrskonzept an. Eine grundsätzliche Absage bezüglich Bebauung auf der strittigen Fläche war nicht zu vernehmeb. Herr Montanus (FDP) sprach sich gegen das Bauvorhaben und für die Bebauung von bereits versiegelten Flächen aus. Ob er damit für sich selbst oder tatsächlich für die FDP-Fraktion im Stadtrat sprach, blieb offen. Frau Gerlach (GRÜNE) favorisierte ebenfalls den Bau von bezahlbarem Wohnraum auf versiegelten Flächen, wofür es nach ihrer Aussage ausreichend Optionen im Stadtgebiet gäbe und was zudem viel schneller realisierbar sei. Zum aktuellen Bauprojekt gab sie kein eindeutiges Statement ab, obwohl die GRÜNEN bis vor zwei Monaten im Stadtrat allen Anträgen für das Bauprojekt zugestimmt hatten. Oberbürgermeister Keller (CDU) positionierte sich uneingeschränkt für das Projekt und argumentierte, dass von der geplanten Wohnbebauung 50% sozial gefördert werde. Die Möglichkeiten zur Bebauung von bereits versiegelten Flächen seien sehr begrenzt und würden bei weitem den Bedarf nicht decken können. Um voranzukommen, müsse an allen Optionen parallel gearbeitet werden. Andere vorgeschlagene Flächen ständen nicht zur Verfügung.
Bürgerfragen und -statements
In der weiteren Diskussion und den Fragen der Bürger*innen ging es viel um das zu erwartende Verkehrsaufkommen, die Probleme mit dem ÖPNV (Unzuverlässigkeit der Linie 79, warum der Flughafenbahnhof nicht als Drehkreuz ausgebaut wird), die Frage, ob eine weitere Schule im Norden notwendig ist, natürlich auch um Klima- und Artenschutz, … Viele Äußerungen gingen in die Richtung, dass man nicht sehe, dass die verantwortlichen Politiker*innen die Zeichen der Zeit erkannt hätten, Misstrauen in die Glaubwürdigkeit der politisch Verantwortlichen wurde formuliert, klare Festlegungen der OB-Kandidat*innen wurden vermisst. Kein leichter Abend für die OB-Kanidat*innen!
Aktuelle Unterlagen der Bürgerinitiative Grüner Norden
- Brief an die Mitglieder des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung zur Beschlussvorlage APS/062/2024 Städtebaulicher Wettbewerb 05/015 – Nördlich Kalkumer Schloßallee
- Einspruch gegen den beabsichtigten Bebauungsplan Nr. 05/015 und Flächennutzungsplanänderung Nr. 73 - Nördlich Kalkumer Schloßallee im Rahmen der Frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung gemäß §3Abs. 1BauGB Bebauungsplan Nr. 05/015 und Flächennutzungsplanänderung Nr. 73 Plangebiet „Nördlich Kalkumer Schloßallee"
PDF-Dokumente zum Herunterladen: https://gruener-norden-duesseldorf.de
Planungsgrafiken zum Bauprojekt Nördlich Kalkumer Schlossallee