Mitmachaktion - Moorwiedervernässung in Hilden-Biesenbach
(Foto: Timon Turban)
Die Bergische Heideterasse
An der sogenannten Bergischen Heideterrasse, einem oft nur wenige Kilometer breiten Verbindungsstück an der Kante zwischen dem Bergischen Land und der Rheinischen Tiefebene von Duisburg bis Siegburg befinden sich letzte Moorrelikte. Aber auch hier, wie an vielen Stellen in Deutschland, sind diese stark gestört, teilweise zerstört und nicht als solche zu erkennen. Doch es gibt Hoffnung.
Mitmachen beim Moorprojekt des BUND - und so geht´s
Der BUND hat ein Projekt ausgerufen, Naturschutz als Praxisprojekt anzugehen. So können hier Menschen ohne große Kenntnisse oder Fähigkeiten aktiv mitmachen und anpacken.
Auch bei uns rund um Düsseldorf ging es nun los. In Solingen und Hilden konnte man mit anpacken. Aber was macht man da genau? Meistens geht es um eine essentielle Sache: Entwässerungsgräben verschließen und somit dem Wasser wieder erlauben, in die Fläche zu fließen. Also das, was aktuell in der kommunalen Stadtplanung als Schwammlandschaft bezeichnet wird.
Man trifft sich also meist morgens an einem Treffpunkt mitten im Wald mit Menschen aller Altersgruppen, Expertise und Herkünfte. Manche waren schon zig mal dabei und kommen aus Köln oder weiter hinaus angereist, andere kommen aus den Vereinen der Umgebung. Zuerst werden am Treffpunkt Spundwände aus Brettern gebaut, die dann in das Moor getragen werden. Hier sind Stellen an den Entwässerungsgräben, welche durch das Projektteam vorab aufgrund von Morphologie und Abfluss bestimmt wurden.
Die Entwässerungsgräben sind oft historische Relikte aus französischer bzw. preußischer Zeit im Rheinland. Damals wurden die als „nutzlos“ erachteten Moorgebiete entweder für die Forstwirtschaft oder den Siedlungsbau nutzbar gemacht. Manchmal sind sie noch nass und man erkennt hier schon das für Moore wichtige Torfmoos, eine Zeigerart für Moorböden. Aus diesen entsteht der Torf.
Die Spundwände werden nun strategische platziert und mithilfe von Hämmern, Rootslayern (kein Halloweeninstrument, eher eine Art spitz zulaufender Sparten) und mühsamer Bohr- und Sägearbeit in den Boden gebracht. Klingt leichter als es ist, trifft man doch oft auf eine Wurzel, sandige Böden oder andere Hindernisse im Boden. Dabei muss man darauf achten, dass die Bretter der Spundwand eng zusammenbleiben und somit wasserundurchlässig bleiben. Ein komplexes Spiel, das aus taktischem Platzieren von Schrauben hier, Gegendrücken von den Seiten mit Kraft da und dem Hauen der Hölzer in den Boden besteht. Andere Aktive bringen Erde und das sogenannte Pfeifengras herbei, um die gebauten Bauwerke zu bedecken. Ziel ist es langfristig, dass diese vor Ort verrotten, die Gräben aber undurchlässig bleiben und das Wasser seitlich in der Fläche bleibt, um eine Moorbildung wieder zuzulassen.
Aber warum soll ICH ausgerechnet mitmachen?
Das Faszinierende ist, dass man Teil eines großen Naturschutzprojektes vor Ort ist. Man schafft große Naturräume, kommt in Gebiete, in die man normalerweise keinen Zugang hat und trifft interessante Menschen aller Art. Ob am Biesenbach im Hildener Stadtwald, umgeben von Grasfröschen und den Rufen des Schwarzspechtes oder im Götscher Moor in Solingen zwischen Erlen im Wasser – diese Erfahrungen sind wirklich einzigartig. Eine feste Mittagspause ist geplant. Fast alle Teilnehmenden haben etwas zu essen dabei, aber oft bringt auch die regionale Naturschutzgruppe etwas mit. Zum Beispiel Apfelsaft von den lokalen Streuobstwiesen, selbstgemachter Kuchen oder Brownies – eine Überraschung ist immer dabei.
Ein weiteres Highlight sind die informativen Beiträge zum Moor. Ihr lernt Torfmoos kennen, trefft auf eine Pflanze, aus der man einst Bier braute, und ein lebendes Fossil, quasi den Quastenflosser der Pflanzenwelt – den Königsfarn. ExpertInnen gehen mit euch zu den Orten, wo ihr die verschiedenen Arten seht und erzählen etwas über Moore, wobei man das Projekt der Bergischen Heideterrasse besser kennenlernt.
Fazit
Wir werden hier wahrscheinlich nie die Ausmaße der Moorgebiete wie die in Niedersachsen oder die weit im Osten, die man aus dem Urlaub kennt, erreichen. Aber wir - d.h. jeder einzelne von uns - können hier dazu beitragen, unsere kleinen Naturparadiese wieder zu beleben. Und nach so einem aktiven Tag ist man vielleicht erschöpft, aber man fühlt sich geerdet, zufrieden, dass man zu etwas Sinnvollem beigetragen hat und man hatte Spass und hat viele neue Gleichgesinnte kennen gelernt.
Hier ein paar Eindrücke von der Aktion: