Bürgerdialog zur kommunalen Wärmeplanung am 04.12.2025
(Foto: Thomas Nowak)
Die gesetzlich vorgeschriebene Wärmeplanung der Stadt legt fest, wie die Wärmeversorgung vollständig klimaneutral auf erneuerbare Energien und unvermeidbare Abwärme umgestellt werden soll und dient dazu, dass Bürger*innen und Unternehmen eine belastbare Grundlage bekommen, welche Optionen es für das notwendige Investment in eine moderne, entkarbonisierte (CO2-freie) Wärmeversorgung für ihre Gebäude gibt – dementsprechend groß war das Interesse. Die BUND-Kreisgruppe wurde von Karlheinz Rückert und Thomas Nowak vertreten.
Potenzial CO2-freier Wärme in Düsseldorf
Vor ca. 100 Teilnehmern wurde zunächst noch einmal das innerhalb des Stadtgebietes identifiziert Potential erneuerbarer Energien vorgestellt. Mit ermittelten 11,5 bis 13,3 Terrawattstunden (TWh) ist es fast doppelt so groß wie der gegenwärtige Wärmebedarf von 7,8 TWh. Anzumerken ist, dass Luft als Umgebungsenergie, die durch Luft-Luft und Luft-Wasser-Wärmepumpen genutzt werden kann, nicht separat erfasst wurde. Das geschätzte Potential von 5,6 TWh wird als Rückfalloption geführt. Addiert man es dennoch, so ergibt sich ein technisches Potential von bis zu 18,9 TWh erneuerbarer Energien, 2,5-mal so viel, wie heute für die Beheizung von Wohn- und Geschäftsgebäuden benötigt wird. Wir haben also in Düsseldorf genug erneuerbare Energie, um den Heizungssektor emissionsfrei zu machen. Klimaneutral will Düsseldorf bis 2035 werden und das bedeutet, dass pro Einwohner und Jahr nicht mehr als 2t CO2 ausgestoßen werden soll.
Optionen für Wärmeversorgung
Als Optionen wurden für das Stadtgebiet zentrale Wärmenetze und dezentrale Optionen (Wärmepumpen, Biomassekessel und Solarthermie) untersucht.
Die Umstellung bestehender Gasnetze auf Wasserstoff wurde aus kosten- und Effizienzüberlegungen ausgeschlossen und wird nicht weiterverfolgt. Wasserstoff soll allein für Industrieanwendungen zum Einsatz kommen. Damit ist auch klar, dass das Gasverteilnetz in Düsseldorf bis 2045 stillgelegt werden muss.
Konkret wurde das dritte Entwicklungsszenario für das Wärmenetz als Zielszenario ausgewählt. Die Stadtverwaltung hatte verschiedene Optionen prüfen lassen. Wesentliche Komponenten bestehen aus
- Verdichtung existierender Wärmenetze m Bereich der Innenstadt, in Benrath und in Angermund. In angrenzenden Gebieten ist auch ein Ausbau vorgesehen (dargestellt in Rot bitte entsprechende Grafik von s. 17 der Präsi in die Meldung, oder? ). Neubau von Wärmenetzen ist nur in sehr wenigen Stadtteilen vorgesehen. Ein Zeitplan für die Umsetzung wurde nicht vorgestellt. In Bereichen mit geringerer Energiedichte werden auch Niedertemperaturnetze vorgeschlagen.
- Ein Großteil des Stadtgebiets soll in Zukunft durch dezentrale Lösungen mit erneuerbarer Wärme versorgt werden.
Um die über traditionelle Wärmenetze bereitgestellte Wärme zu entkarbonisieren, (also CO2-frei zu machen) kommen mehrere grüne Wärmequellen in Frage: Großwärmepumpen, Nutzung industrieller Abwärme und Geothermie (S. 24 der Präsentation). Dazu sind teilweise Machbarkeitsstudien vorgesehen, so zu Großwärmepumpe Rhein (u.a. 120 MW am Standort Lausward), tiefe Geothermie und Abwasserwärmepumpe Klärwerk-Süd (S. 26 Präsentation)
Technisch möglich, aber teuer, und sozial abzusichern!
Es wurde deutlich, dass die Wärmewende in Düsseldorf technisch möglich, aber aus sozialer und ökonomischer Sicht eine immense Herausforderung darstellt.
Begrüßenswert war daher das Paket an Maßnahmen, dass die Stadt auflegen wird, um die Bürger bei der Umsetzung der Wärmeplanung zu unterstützen. Sieben Fokusmaßnahmen sind vorgehsehen:
- Aufbau von Planungs- und Koordinierungsstrukturen, um den Wandel zu beschleunigen
- Stärkung des Handwerks
- Aufbau eines Beratungs-, Informations-, und Kommunikationsangebot für alle Bürger
- Machbarkeitsstudien zu den Großwärmepumpen am Rhein, die Nutzung von Tiefengeothermie und der Abwasserwärme im Klärwerk Süd.
- Prüfung zum Aus- und Rückbau von Strom und Gasnetz
- Anpassung der städtischen Förderprogramme an die Anforderungen der Wärmewende, und
- Förderung der Wärmewende in Industrie und Gewerbe.
Die komplette Präsentation aus der Veranstaltung finden Sie → hier.
Viele Fragen und Auswertung der Bürgeranhörung
Im Anschluss der Vorstellung hatten die Bürger Gelegenheit, Fragen zur stellen – und erwartungsgemäß wurde diese Möglichkeit auch dazu genutzt, eigene Positionen zu präsentieren. Die Diskussion war angeregt. Die Fragen der Anwesenden Bürger reichten von „Wie gehen wir mit dem Gasnetz um?“, „Warum nutzen wir nicht Wasserstoff oder Biogas zum Heizen – dann können wir die gegenwärtige Struktur beibehalten“, „Warum haben Sie keine höheren Enteile Solarthermie geplant“, über „haben wir überhaupt genug Handwerker“ oder „wer koordiniert die ganzen Baustellen“ bis hin zu: „ist unser Stromnetz überhaupt stabil genug für eine großflächige Elektrifizierung (Antwort: ja) und „Wer soll das alles bezahlen“.
Die Stadtverwaltung wertet die Anhörung nun aus und veröffentlicht in den nächsten Wochen einen überarbeiteten Vorschlag. Dieser wird im Stadtrat zur Abstimmung gestellt.
Eine Großstadt wie Düsseldorf muss die Wärmeplanung bis Ende Mai 2026 verabschieden.
Gerade gestartet: Schriftliche Stellungnahme zur Wärmeplanung bis 30. Januar 2026 möglich
Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Offenlage besteht nun vom 19. Dezember 2025 ab 12.00 Uhr bis einschließlich 30. Januar 2026 die Möglichkeit, den vollständigen Planungsentwurf einzusehen und Stellungnahmen dazu abzugeben.
Den Berichtsentwurf sowie Karten zum Zielszenario der Wärmeversorgungsarten für das Jahr 2045 für die einzelnen Düsseldorfer Stadtbezirke zur Einsicht und zum Download finden Sie ab dem 19. Dezember 2025 ab 12.00 Uhr auf dem Beteiligungsportal NRW unter diesem Link. Über diese Webseite können auch die Stellungnahmen eingereicht werden.
Darüber hinaus gelangen Sie über den Link auf das Geoportal Düsseldorf Maps. Dort haben Sie kurz nach Beginn der Offenlage zusätzlich die Möglichkeit, in der Themenauswahl innerhalb der Kategorie „Klima und Umwelt“ unter Kommunaler Wärmeplan die Karte zum Zielszenario der Wärmeversorgungsarten für das gesamte Gebiet der Landeshauptstadt Düsseldorf und für das Jahr 2045 im Detail einzusehen (Ankündigung siehe → hier).
Der BUND Düsseldorf wird Stellung nehmen, wir diskutieren im Treffen am 6. Januar dazu und berichten auf unserer Webseite.