Thementisch mit Kilan Mouris von der Bundesanstalt für Wasserbau
(Foto: Birgit Höfer)
Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSA) hatte am 30. November 2025 zur sogenannten frühen Öffentlichkeitsbeteiligung geladen für das Projekt W27 – Abladeverbesserung und Sohlenstabilisierung zwischen Duisburg und Stürzelberg aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 – Teilabschnitt 2 Lausward und Urdenbacher Kämpe. Veranstaltungsort war passend zum Thema der Veranstaltungssaal mit Rheinblick im Neubau Pariser Straße 41 in Düsseldorf-Heerdt. Die Veranstaltung wurde professionell moderiert, das Vorhaben wurde anschaulich präsentiert mit Erklärfilm, Strömungsmodellen, Luftansichten der Planungen und Gesprächsrunden an Thementischen.
Worum geht es? Gemäß Bundesverkehrswegeplan gibt es einen vordringlichen Bedarf für eine Abladeverbesserung zwischen Krefeld und Stürzelberg. Abladetiefe bezeichnet den Tiefgang, den ein voll beladenes Schiff bei einem definierten Niedrigwasser (gleichwertiger Wasserstand 2022) haben darf. Derzeit liegt dieser bei 2,50 Meter und soll bis zum Neusser Hafen auf 2,80 Meter und bis Stürzelberg auf 2,70 Meter erhöht werden. Dafür sind in vier Teilabschnitten Maßnahmen nötig. Eine Sohlstabilisierung im Bereich der „Steinernen Bänke“ bei Kaiserswerth wird im Rahmen der Gewässerunterhaltung durchgeführt.
Bei Düsseldorf an der Lausward hat sich durch die Strömung ein Anlandungsbereich aus Sand und Kies (Mittelgrund) in der Fahrrinnenmitte gebildet. Dieser soll abgetragen werden und Kies in einer Korngröße eingebracht werden, der der Schubspannung widersteht und nicht verlagert wird. Dies stellt einen Eingriff in die natürlichen Verhältnisse des Sohlbereiches dar. Um ein Absinken des Wasserspiegels durch die Vertiefung der Fahrrinne zu verhindern, sollen am nördlichen Ufer vier Längsbauwerke eingebaut werden. Dies hat Einfluss auf die Durchströmung der Buhnenfelder (Ablagerungen und Änderung der Strömungsgeschwindigkeit in Teilbereichen) und auf die Grundwasserleiter im Uferbereich.
Um diese Eingriffe auszugleichen, plant die WSA einen Ausgleich in der Urdenbacher Kämpe. Dort besitzt die WSA einen breiteren Streifen im Vorland, für den eine Flutrinne mit gestaffelter Überflutung steigenden Wasserständen geschaffen werden soll, so dass ein auentypisches Vorland entsteht. Die Maßnahme ergänzt Planungen weiterer Träger zur Flutrinnenreaktivierung in der Urdenbacher Kämpe. Hierzu werden wir zu einem späteren Zeitpunkt noch detailierter berichten.
Verfahrenstechnisch blieb unklar, warum Eingriff und Ausgleichsmaßnahme in einem Planfeststellungsverfahren mit zwei separaten Beschlüssen behandelt werden sollen, zumal nur der kleinere Teil der Renaturierungsmaßnahme an der Urdenbacher Kämpe eine Ausgleichsmaßnahme sei, den Rest führe die WSA zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie durch, wofür sie umsetzungszuständig ist. Zudem hängen alle Maßnahmen zwischen Krefeld und Stürzelberg zusammen, weil die erhöhte Abladung nur bei Durchführung aller Maßnahmen erreicht wird. Warum dafür nicht ein einziges Verfahren durchgeführt wird, konnte nicht abschließend erklärt werden.
Aus dem Teilnehmerkreis gab es Rückfragen zum Rudersport im Bereich der geplanten Längswerke, eine Bekräftigung der Notwendigkeit des Ausbaus von einem anliegenden Industriebetrieb, und Fragen zu naturschutzfachlichen Auswirkungen und zur Koppelung mit dem Renaturierungsprojekt an der Urdenbacher Kämpe, da dieses jedenfalls gewünscht wird. Bei Fragen nach erhöhtem Niedrigwasserrisiko und alternativen Lösungen durch kleinere Schiffe wurde auf Bedarf für mehr Personal verwiesen, wobei die Binnenschifffahrt schon Personalprobleme hat.
Der BUND sieht die Projekte zur Rheinvertiefung mit gemischten Gefühlen: Einerseits emittiert die Binnenschifffahrt für den Transport von Massengütern und Containern deutlich weniger CO2 als Lkws, dafür andere Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide (siehe Umweltbundesamt ); Binnenschiffe sind sehr langlebig und die Modernisierungsrate in der Flotte daher gering, so dass sich dies nur sehr langsam ändert.
Andererseits lassen Klima- und Niedrigwasserszenarien Zweifel daran aufkommen, ob sich der Ausbau des Rheins wirtschaftlich lohnen wird, oder nicht vielmehr auf kleinere Schiffe gesetzt werden muss. Dementsprechend kritisch sieht der BUND in Rheinland-Pfalz die Vertiefung des Mittelrheins. Auch die Frage, ob so ein Ausbau nicht gegen das Verschlechterungsverbot der WRRL für den ökologischen Zustand verstößt, ist in jedem Einzelfall zu beantworten.
An den Thementischen wurde diskutiert, ob andere Maßnahmen nicht dasselbe Ziel mit schwächerem Eingriff und bei geringeren Kosten erreichen könnten, z. B. ein Wegbaggern des Mittelgrundes alle paar Jahre.
Weiteres Verfahren: Der Umfang der Umweltverträglichkeitsprüfung soll 2026 festgelegt werden, dann folgt die Umweltverträglichkeitsprüfung und Vorbereitung der Planfeststellungsunterlagen einschließlich Fachbeiträgen zu FFH, Artenschutz und Wasserrahmenrichtlinie. Mit einem Baubeginn wird nicht vor 2031 gerechnet, mit der Verkehrsfreigabe mit erhöhter Abladetiefe an der Lausward erst 2033, bis Stürzelberg erst 2037.
Weitere Infos auf der Projekt-Website der WSA Rhein. Ab Minute 8 WDR Lokalzeit aus Düsseldorf | 30.10.2025.