Gewaesserschau am Schwarzbach - Tauchbalken
(Foto: Stephanie Schauhoff)
Bei trübem Wetter hatten sich doch ca. 12 Interessierte zur diesjährigen ersten Gewässerschau am Schwarzbach eingefunden. Von der Wanheimer Strasse kurz vor dem Autobahnkreuz Düsseldorf Nord ging es über einen Fußweg direkt zum Schwarzbach, der hier und auf dem größten Teil der begangenen Strecke begradigt ist, schnurgeradeaus läuft und ein wannenförmiges Profil aufweist. Der Bach läuft hier durch den Kalkumer Forst und wenn der Lärm der Autobahn und des Flughafens nicht wäre, könnte es fast idyllisch sein.
Informationen zum Hochwasserschutz
Gleich zu Beginn ging es um Hochwasserschutz: Herr Bode vom Umweltamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, erläuterte, dass bei einem HQ100 Ereignis, d.h. einem Hochwasser, wie es statistisch nur alle 100 Jahre vorkommt, der Schwarzbach an dieser Stelle über die Ufer treten würde und dann das Risiko bestünde, dass der nahe Autobahntrog voll Wasser läuft.
Aus diesem Grund wurde hier ein Pegel installiert, der vom Rheinisch-Bergischen Wasserverband von einer Bereitschaft rund um die Uhr kontrolliert wird. Bei Gefahr im Verzug würde dann umgehend der Autobahntunnel gesperrt. Dies ist eine Übergangslösung. Nachhaltiger wäre natürlich eine Renaturierung, die am Schwarzbach aktuell aber nicht geplant ist. Südliche Düssel und Anger haben hier höhere Priorität.
Wie entsteht das U-förmige Uferprofil?
Eigentlich ist der Schwarzbach ein sandgeprägter Tieflandbach mit flachen Ufern. Laut Herrn Bode ist die aktuelle Struktur aber durch den unnatürlichen, stark kanalisierten Verlauf defizitär.
Die Sohle liegt frei und durch „Auflandung“ hat sich die Kastenform der Ufer ergeben. Man könnte meinen, dass die Kastenform der Ufer dadurch entsteht, dass durch den Strom im unteren Uferbereich immer mehr Erdmaterial abgetragen wird. Dem ist aber nicht so. Sondern die Kastenform entsteht dadurch, dass auf den ursprünglich flachen Ufern bei Hochwasser immer mehr Schichten von mitgeschwemmtem Material abgelagert werden (s. Fotos). Die letzte Unterhaltung des Schwarzbachs fand vor 15 Jahren statt. Dabei wurden die Ufer abgeflacht und mit Gittersteinen befestigt, die jetzt teilweise weggespült oder durch die neuerliche Auflandung verschüttet sind.
Wasserqualität und Fischbestand
Etwas weiter flussabwärts fließt der Haarbach von rechts in den Schwarzbach, über den das Abwasser der Ratinger Kläranlage komplett in den Schwarzbach abgeleitet wird. Dies erhöht die Wassermenge allerdings nur 15-20%. Zum Vergleich: In Itter und Düssel machen die Abwässer teilweise bis 50% aus.
Die Wasserqualität wird nur einmal jährlich überprüft, da der Schwarzbach die Gewässergüteklasse II (mäßig belastet) aufweist und z.B. die Nitratwerte nie den Grenzwert von 50mg/l überschreiten (hohe Nitratwerte sind eher ein Problem im Grundwasser). Der Fischbestand besteht aus 12 Fischarten, z.B. Aal, Bachforellen, Stichling, Gründling, Dobel, Hasel u.a.. Am Ufer hat sich in diesem ersten Teil über weite Strecken leider schon der japanische Knöterich ausgebreitet.
Weiteres zum Hochwasserschutz
Etwas weiter bachabwärts befindet sich ein „Tauchbalken“ (s. Foto). Seine Funktion besteht darin, dass bei Hochwasser das Wasser davor gestaut wird, dann seitlich abfliesst und über ein Rohr zur Versickerung in den Wald geleitet wird, also ein weiterer Baustein für den Hochwasserschutz des Düsseldorfer Nordens. Eine weitere Komponente ist der Anger-Entlastungsgraben, der von der Anger vom Abschlag am Klärwerk bis zum Schwarzbach führt und bei Hochwasser an der Anger Wasser in den Schwarzbach ableitet.
Brücken über den Schwarzbach
Dann kreuzt die DB-Bahnstrecke Düsseldorf-Duisburg den Schwarzbach. Die Brückentrasse hat 4 Durchlassbögen für den Bach. Bei normalem Wasserstand fließt der Bach durch die beiden linken Bögen. Die beiden rechten Bögen sind durch einen kleinen Wall abgegrenzt, so dass das Wasser erst bei Hochwasser auch durch die beiden rechten Bögen fliesst.
Die Durchlässe sind für ein HQ100 mit einer Fließgeschwindigkeit von 14m3/sec ausgelegt. Hinter der Brücke verlangsamt sich die Fließgeschwindigkeit wegen der größeren Bachbettbreite, so dass es hier zu Sandablagerungen kommt, die regelmäßig abgebaggert werden müssen.
Einige Meter weiter quert eine kleine Brücke den Bach. Das ist die „Honnecker-Brücke“. Angeblich wurde sie extra für einen Besuch von Erich Honnecker gebaut, damit er unbehelligt von der Presse seitlich den Flughafen verlassen konnte.
Und nochmal Hochwasserschutz
Am Bogen um das Flughafengelände befindet sich dann ein weiteres Hochwasserschutzelement: Ein „Drosselbauwerk“. Das ist wieder ein Balken über dem Bachlauf, der bei Hochwasser mit mehr als 3,5 m3/sec. das Wasser anstaut, das dann über eine Betonkante zunächst in einen Entlastungsgraben läuft. Am Ende des Grabens befindet sich ein Schlauchwehr, über das Wasser weiter in den Kittelbach abgeleitet werden kann.
Das Drosselbauwerk und das Schlauchwehr wurden 2023 ertüchtigt, so dass 520.000 m3 Reservoir zur Verfügung stehen und die Wasserverteilung jetzt noch besser gesteuert werden kann. Wenn der Kittelbach auch zu viel Wasser hat, wird das Wasser nach rechts über eine weitere Betonkante in einen weiteren Entlastungsgraben geleitet, der nochmal 20.000 m3 fasst und von da geht es wieder in den Schwarzbach. Diese Hochwassersteuerung über drei Bäche (Anger, Schwarzbach, Kittelbach) ist eine Besonderheit und hat sich bisher für den Düsseldorfer Norden sehr bewährt.
Naturnaher Ausbau von 1997
Hinter der B8 (neu) wurde der Schwarzbach 1997 als Ausgleichsmassnahme für den B8 Neubau über 700m naturnah ausgebaut. Inzwischen hat die Schlammfracht aus dem Oberlauf aber wieder zu Auflandungen geführt, so dass das Bachprofil wieder U-förmig ist. Immerhin mäandert der Bach noch etwas und eine kleine Aue drumherum hat sich gut entwickelt.
Nach 3 kurzweiligen und interessanten Stunden waren wir am Ende der Begehung an der Zeppenheimer-Strasse angelangt. Der zweite Teil der Schwarzbach-Begehung bis zur Mündung in den Rhein sollte am nächsten Tag folgen.
Eindrücke von der Gewässerschau am Schwarzbach: