BUND-Kreisgruppe Düsseldorf
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Auenrunde durch Urdenbacher Kämpe, Monheimer Rheinbogen und Himmelgeister Rheinbogen

18. September 2026 | Auen, Bäume, Biodiversität, Deichsanierung in Himmelgeist

Elke Löpke berichtet über die interessante Tour ...

Personen vor Fachwerkhaus Elke Löpke bei der Auenrunde im Gespräch  (Foto: Klaus Kurtz)

Auf der ca. 50 km langen Radtour haben wir im Juli 2026 die Urdenbacher Kämpe als „Modellaue“ ohne Deich, den Monheimer Rheinbogen mit zurückverlegtem Deich und den Himmelgeister Rheinbogen, wo gerade noch offen ist, welcher Weg hier beschritten wird, besucht.

Vom Bahnhof Benrath führte die Tour zum Schlosspark. Hier wurde im Zusammenhang mit dem Bau des Benrather Schloss der Verlauf der Itter um den Schlosspark verlegt. Ursprünglich mündete die Itter in Himmelgeist in den Rhein. 

Am Mühlenplatz in Urdenbach fällt auf, dass in der sonst eher flachen Landschaft die Urdenbacher Dorfstraße in Höhe der Gaststätte Extratour wie auf einem Wall erhöht liegt. Dieser Wall schützt Urdenbach vor extremem Rheinhochwasser. Im Winter 1926 hatte der Rhein das Dorf bis zur katholischen Kirche geflutet. Damals erreichte ein Hochzeitspaar per Boot die Kirche. Also gibt es am Rande der Urdenbacher Kämpe doch einen kleinen Deichabschnitt. 

Auendynamik in der Urdenbacher Kämpe
Die Urdenbacher Kämpe ist ein lebendiges Beispiel für Auendynamik. Hier hat der Rhein 1374 sein Bett verlagert. Seitdem liegt Haus Bürgel als ehemaliges Römerkastell heute auf der rechten Rheinseite. In den alten Obstwiesen entlang der Straße Am Ausleger sind rheinparallele Flutrinnen zu erkennen, die der Rhein über Jahrhunderte ausgewaschen hat. Diese werden bereits bei kleineren Hochwasserereignissen überflutet. Die alten Apfel- und Birnenbäume kommen mit dem Hochwasser klar. Auch die artenreichen Glatthaferwiesen profitieren von der regelmäßigen Überflutung. Sie werden zweimal pro Jahr gemäht und nur vom Hochwasser gedüngt. Die Grünlandflächen gehören überwiegend der Stadt Düsseldorf und der NRW-Stiftung und werden durch die Biostation an Landwirte verpachtet.

In Höhe des eingezäunten Wasserwerksgeländes hat sich in den letzten Jahren eine sehr artenreiche Blumenwiese auf einem eher trockenen hochgelegenen Standort entwickelt. Diese wurde mit Heu vom Himmelgeister Deich und von artenreichen Wiesen im Wasserwerk Flehe eingesät. Ehrenamtler der Biostation und Vertreter der Stadt Düsseldorf haben tatkräftig mitgeholfen, das Mahdgut zu verteilen.  

Die Tour führt dann durch den größten Hartholzauwald von NRW. Hier wachsen überwiegend Stileichen, Eschen und Hainbuchen. Diese Bäume können bis maximal 30 Tage pro Jahr im Wasser stehen. Am Ortsrand von Baumberg hat die Stadt vor kurzem eine Kleingartenanlage zurückgebaut. Dort entwickelt sich ebenfalls ein ca. 1 ha großer Auwald Bereich. Die Stadt Monheim erhält dafür Ökopunkte. 

Deichrückverlegung im Monheimer Rheinbogen
Entlang des Rheinufers erreichen wir den Monheimer Rheinbogen. Hier wurde im Jahr 2000 ein neuer Deich im Hinterland gebaut und der rheinnahe alte Deich auf ca 500 Meter abgetragen. Außerdem wurde eine künstliche Flutrinne ausgebaggert. Dadurch können bereits kleinere Hochwasser den Rheinbogen erreichen. 

Beim neuen Deich wurden verschiedene Begrünungsvarianten ausprobiert. Auf dem überwiegenden Teil der Landseite wurde Heudrusch vom Himmelgeister Deich und Heu aus der Urdenbacher Kämpe per Anspritzverfahren aufgetragen. Auf einem kleinen Bereich im Süden wurden Grassoden vom alten, artenreichen Monheimer Deich aufgetragen. Diese Begrünungsmethode ist mit Abstand die teuerste Variante, aber ökologisch sehr erfolgreich. Das typische Artenspektrum ist bereits vorhanden und verbreitet sich von hier aus. Auf der Wasserseite wurde seinerzeit eine grasdominierte „Emschermischung“ eingesät, um sicherzustellen, dass der Deich sich schnell und dicht begrünt und bei Hochwasser der Boden nicht abgeschwemmt wird. Nach gut 25 Jahren hat sich inzwischen auf beiden Deichseiten eine bunte kräuterreiche Wiese entwickelt. 

Der alte Deich ist mit einer hohen Dichte an Wiesensalbei und Skabiosenflockenblumen, aber noch artenreicher als der neue Deich. 

An der Stelle wo der alte Deich zurückgebaut wurde, ist ein massiv befestigter Deichkopf zu sehen. Dies ist erforderlich, um bei Hochwasser Ausspülungen zu verhindern. In Bezug auf mögliche Planungen einer Deichrückverlegung und Öffnung des alten Deichs in Himmelgeist, ist das wichtig zu beachten. Eine Deichöffnung ist immer mit einer starken Verbauung an den Flanken des geöffneten Deichs verbunden und spricht aus meiner Sicht eher für eine größere Öffnung als mehrere kleine.

Noch offen: Deichrückverlegung auch im HImmelgeister Rheinbogen?
Unsere Radtour führt uns dann nach Himmelgeist. Hier erläuterte Klaus Kurtz den Stand der Planungen zwischen Deichsanierung oder Rückverlegung. Es gibt verschiedene Varianten für einen rückverlegten Deich.Dabei könnten mindestens ca. 45 ha Retentionsraum entstehen, max. 140 ha. Gemäß der Vereinbarung aller Rheinanliegerstaaten (IKSR – Programm 2040) gilt das Solidarprinzip. Diese Länder haben sich verpflichtet zum gegenseitigen Schutz vor Hochwasser, so viel Retentionsraum wie möglich wieder herzustellen. 

Im Auenzustandsbericht von 2021 heißt es: Naturnahe Auen sind die Schatzkammern unserer Artenvielfalt und beherbergen viele gefährdete Lebensräume und Arten. Das bedeutet, auch wenn in Himmelgeist die hochgelegenen Flächen seltener überfluten, kann sich hier ein artenreicher Hartholzauwald entwickeln. Auen dienen als Rückhalteraum für Wassermassen. Die Fließgeschwindigkeit wird verlangsamt und Hochwasserspitzen reduziert. Das Wasser wird gereinigt und Auen haben eine positive Wirkung auf das Lokalklima. Am Beispiel der Urdenbacher Kämpe und dem Monheimer Rheinbogen wird deutlich, dass Auen beliebte Orte für die Naherholung und den Tourismus sind. Außerdem ein Hotspot der Artenvielfalt. 

Fazit:
Das Fazit der Auenrunde war eindeutig: Der BUND wird sich für eine vielfältige Auenlandschaft und ökologischen Hochwasserschutz in Himmelgeist einsetzen. 

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