Was wir schon gelesen haben:
Die Faltung der Welt
von Anders Levermann
(Foto: Alexander Gerst/ESA/dpa; Gestaltung: Rothfos & Gabler, Hamburg; Ullstein Verlag)
Über dieses Buch (Klappentext)
Wir befinden uns am Ende des Zeitalters der Expansion – und wir brauchen eine Idee für den nächsten großen Schritt. Die Begrenztheit unserer Erde kollidiert mit der Notwendigkeit rasanter gesellschaftlicher Entwicklung. Wenn man akzeptiert, dass beides harte Realitäten sind, dann stehen wir vor einem Dilemma von Begrenztheit und Dynamik.
Der verzweifelte, wenn auch verständliche Ruf nach Verzicht und Rückbesinnung ist hilflos und wenig zielführend, denn er löst das Dilemma nicht auf. Das mathematische Prinzip der Faltung könnte diese Lösung liefern, weil es unendliche Entwicklung in einer endlichen Welt erlaubt.
Nicht Wachstum ins Mehr, sondern Wachstum in die Diversität. Und zwar nicht theoretisch, sondern sehr praktisch – sei es beim europäischen Emissionshandel oder der Unternehmenssteuer.
Unser Fazit:
Über das Buch haben wir kontrovers diskutiert. Die mathematische Theorie der Faltung blieb einigen zu abstrakt, andere sahen in dem beschriebenen Modell eine positive Vision, die glaubwürdig aufzeigt, wie man eine strenge Regulierung des CO2-Ausstoß mit Wirtschaftswachstum und Innovation verbinden kann.
Dass eine strikte Begrenzung der Emission von Klimagasen notwendig ist, macht Levermann vor dem Hintergrund seiner Forschungsarbeit am Potsdam-Institut sehr deutlich. So schnell wie möglich müssen wir Nettonull Emission von co2 erreichen.
Der Autor erläutert, dass es darum geht, nicht weniger, sondern anders zu konsumieren und zu wirtschaften. Dazu ist auch eine Veränderung der Werte, die uns leiten, erforderlich. Sind wir dazu bereit? Wie bewerten Unternehmen diese Umorientierung?
Levermann spricht sich gegen Mikromanagement aus, zeigt aber, dass unterhalb der harten Grenze manchmal weitere Regulierungen notwendig sind. Ist das ein Widerspruch? In der Gruppe wurde auch der Wunsch nach einem Handlungskonzept auf Basis des theoretischen Modells geäußert. Überlässt Levermann die Entwicklung von Handlungsoptionen nicht bewusst der Kreativität und Innovationsfähigkeit der Akteure?
Wer das Buch liest, konfrontiert sich mit interessanten Fragestellungen und einem innovativen Denkansatz.
"Demokratie und Revolution - Wege aus der selbstverschuldeten ökologischen Unmündigkeit" von der Historikerin Hedwig Richter und dem Publizisten Bernd Ulrich
Demokratie und Revolution von Hedwig Richter und Bernd Ulrich
(Cover: Miriam Blochin)
Über das Buch:
Junge Menschen brechen auf der Straße das Recht und berufen sich dabei auf das Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichts, nach dem die Lebenden nicht das Recht haben, die Freiheit künftiger Generationen zu halbieren. Die Bundesregierung hält sich nicht an das Pariser Abkommen und stößt zugleich an die Grenzen des Wachstums und der Schuldenbremse, weil die Kosten der Klimakrise und des Klimawandels zugleich aufgebracht werden müssen.
Es ist ein Widerspruch entstanden zwischen Demokratie und Ökologie, zwischen dem unabwendbaren Zeitdruck und der anscheinend gottgegebenen Langsamkeit der Demokratie. Die Historikerin Hedwig Richter und der ZEIT-Journalist Bernd Ulrich wollen diesen Widerspruch überwinden und zeigen, wie eine notwendige Revolution zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen einhergehen kann mit der notwendigen Verteidigung und Entfaltung der Demokratie. Dazu schauen sie zurück und in die Zukunft. Sie fragen nach der dunklen Seite der Demokratiegeschichte, nach den oft zerstörerischen sozialen und fossilen Bedingungen, unter denen sich unsere Demokratie in Deutschland und anderswo entfaltet hat. Und sie entwerfen eine Zukunft, die auch den kommenden Generationen die Gestaltungsfreiheiten garantieren, die für eine Demokratie essenziell sind.
Unser Fazit:
Den Gesamteindruck und Schreibstil des Buches haben wir etwas kontrovers bewertet: von gedankenreich bis feuilletonistisch… Einig waren wir uns jedoch, dass das Buch interessante und aufschlussreiche Analysen enthält. So z.B. zur Geschichte des Fortschritts der letzten etwa 150 Jahre, zur Geschichte der Umweltpolitik, zur Veränderung der Rahmenbedingungen im 21. gegenüber dem 20. Jahrhundert.
Zur Kernfrage, weshalb wir trotz verbreiteten Wissens über die ökologischen Krisen nicht angemessen und entschieden handeln, beschreiben die Autoren eine Reihe von Faktoren, die zunächst banal erscheinen, sich aber als höchst wirksam erweisen. Auf individueller Ebene zum Beispiel, dass es sich bei zerstörerischem Verhalten oft um „lässliche Sünden“ handelt. Wenn eine Person ein Steak isst, ist das kein Problem für Natur und Umwelt. Wenn die Weltbevölkerung weiterhin im gegenwärtigen Ausmaß Fleisch konsumiert, sind die Auswirkungen immens.
Auf Seiten der Politik analysieren die Autoren, dass das Fassen von Beschlüssen oft zum Ersatz von entschiedenen Handeln verkommt. Dem Beschluss folgt oft kein angemessenes Handeln, die Thematik gilt aber erst einmal als „bearbeitet“.
Die Autoren sehen Demokratie als wichtige Voraussetzung für ein Umsteuern an. Eine Revolution wird nicht als Gegensatz dazu betrachtet und für notwendig gehalten. „Revolution ist danach ein Neuanfang, ein radikales Umdenken, ein tiefgreifendes Die-Welt-neu-Sehen und neu-Ordnen. Eine solche Revolution erhoffen wir uns für die Ökologisierung der Demokratie.“
Als ausschlaggebend für zukunftsorientiertes Handeln betrachten die Autoren das ehrliche Eingeständnis, dass unser gegenwärtiger Lebensstil zur Zerstörung führt. Da dies kaum auszuhalten und weder mit unseren Werten noch mit unserem Selbstverständnis vereinbar sei, entsteht nach Ansicht der Autoren dadurch Energie zur Veränderung. Dazu gehört, dass Politiker aufrichtig mit ihren Wählern sprechen, sie wie Erwachsene behandeln und die Ideologie der Zumutungslosigkeit aufgeben.
Wir haben uns gefragt: reicht das Eingeständnis des Negativen für eine Kehrtwende? Muss es daneben nicht ein positives Ziel, eine hoffnungsvolle Vision, die Vergewisserung von Möglichkeitsräumen, Erfolgserlebnisse bei der Umsetzung oder andere positiv motivierende Faktoren geben?
Darüber hinaus fehlte uns eine Darstellung und Bewertung der Rolle von Medien, sowohl traditioneller als auch sozialer Medien. Aufgrund von Marktmechanismen lassen sich diese von einer Aufregung zur nächsten treiben, Sachverhalte werden skandalisiert. Eine Prioritätensetzung im öffentlichen Diskurs wird dadurch erschwert.
Trotzdem ist die Auseinandersetzung mit den Analysen und Denkansätzen der Autoren anregend und lohnend.
“Bäume auf die Dächer - Wälder in die Stadt” von Konrad Amber
Bäume auf die Dächer - Wälder in die Stadt von Konrad Amber
(Bild: Umschlaggestaltung von Gramisci Design unter Verwendung eines Fotos von Hanna Mathis (Dachgarten), einer Illustration von Teresa Wagenhofer (Stadtansicht) sowie der Textur shutterstock_223876018 (suwin))
Über das Buch:
In diesem Buch zeigt Conrad Amber am Beispiel von 30 ganz konkreten Ideen auf, wie man in der Stadt und entlang von Strassen ohne viel zusätzlichen Platzbedarf mit Baum- und Strauchpflanzungen ein Maximum an Unterstützung für die Natur erreichen und auch wie man im eigenen Umfeld Einfluß nehmen kann.
Ein Beispiel, das viel bringen würde ist die Randbepflanzung von Autobahnen und großen Strassen mit Bäumen in der zweiten Reihe und davor bzw. dazwischen Strauchbepflanzung, Dies wäre ein grosses Potential an zusätzlichen Bäumen die Sauerstoff freisetzen und CO2- und Feinstaub absorbieren. Zudem könnte man durch regelmäßigen Beschnitt Brennmaterial gewinnen und Leitplanken wären überflüssig, denn beim aus der Kurve fliegen landete man im Gestrüpp weicher.
Ein anderes Beispiel in der Stadt sind die konsequente Ausnutzung von Flachdächern für Dachgärten, was zum einen der Natur hilft, zweitens Nahrungsmittel für die Bewohner liefern kann, drittens im Winter Heizkosten spart und im Sommer kühlt und viertens die Flachdächer vor Alterung schützt.
Unser Fazit:
Das Buch liest sich leicht und enthält, wie oben beschrieben, ein paar interessante Ideen für nützliche Begrünung. Viele der weiteren Kapitel zu Dach- und Fassadenbegrünung, Wäldern und Friedwäldern in und um die Stadt bieten allerdings nicht viel Neues, was auch der Tatsache geschuldet ist, dass das Buch bereits 10 Jahre alt ist.
Außerdem sind die Kapitel so aufgebaut, dass man sie auch einzeln lesen kann, was aber beim systematischen Lesen zu vielen Wiederholungen führt. Wer sich jedoch vom Enthusiasmus des Autors anstecken lassen möchte, und sich noch nicht intensiv mit Grün in der Stadt auseinandergesetzt hat, für den ist das Buch durchaus lesenswert.
"Mit Pflanzen die Welt retten" von Bernhard Kegel
Mit Pflanzen die Welt retten
(Covergestaltung: Lübbecke Naumann Thoben, Köln)
Über das Buch:
Die Erde heizt sich auf. Sie tut dies in beispielloser Geschwindigkeit. Nicht wenige verfallen als Folge in Fatalismus, doch es gibt Hoffnung: Ohne zu beschönigen, versammelt Bernhard Kegel alle technischen und biologischen Möglichkeiten, um diese katastrophale Entwicklung zu stoppen. Denn es wird nicht reichen, unseren Ausstoß an Treibhausgasen zu reduzieren oder sogar einzustellen. Wir können die schlimmsten Auswirkungen nur dann abwenden, wenn wir der Erdatmosphäre zusätzlich in großen Mengen CO2 entziehen und in irgendeiner Weise klimaunwirksam lagern.
Das Spektrum möglicher Maßnahmen ist groß und reicht von der Revitalisierung der Moore über mehr Fotosynthese durch Aufforstung, die Optimierung der Fotosynthese von Nutzpflanzen und das Bauen mit Holz bis hin zum künstlichen Blatt als Wasserstoff- und Energielieferant. Licht und Fotosynthese haben höheres Leben möglich gemacht und geformt, jetzt könnten sie helfen, es vor einer seiner schwersten Krisen zu bewahren.
Unser Fazit:
Ein lesenswertes, interessant geschriebenes Buch für alle, die wissen möchten, welchen Beitrag Pflanzen bei der Bewältigung der Klimakrise leisten können.
Einige Informationen waren für uns durchaus überraschend, z.B. die Rolle, die Wasserpflanzen (u.a. Seegraswiesen) bei der Speicherung von CO2 einnehmen können. Oder die Forschungen auf dem Gebiet der künstlichen Photosynthese, wo u.a. versucht wird künstliche Blätter herzustellen. In diesen werden Lichtabsorption und Elektrolyse so kombiniert, dass am Ende unter Lichteinstrahlung und CO2-Verbrauch Sauerstoff oder sogar Methan erzeugt wird.
Der Autor betont außerdem die große Bedeutung von Mooren – sowohl als CO2-Emittenten im trockenen Zustand als auch (wieder)vernässt als Kohlenstoffsenke. Für alle Bereiche (Wälder, Moore, Seegraswiesen etc.) gilt: der Schutz des Bestandes ist wichtiger als Neupflanzung, da diese oft mühsam und langwierig ist. Wir brauchen das Potential der Pflanzen dringend – aber sie können keine Maßnahmen ersetzen, die den Ausstoß von CO2 in den Sektoren Energie, Mobilität, Landwirtschaft etc. reduzieren.
"Die Welt kippt" von Heiko von Tschischwitz
Wie weit würdest du gehen, um die Welt zu retten?
Umweltroman von Heiko von Tschischwitz
(Cover: Ullstein Taschenbuch)
Über das Buch:
„Die Welt kippt“ ist ein dystopischer Roman, der in einer Zukunft spielt, in der sich die Welt durch den Klimawandel und politische Konflikte am Rand des Chaos bewegt. Die Handlung folgt mehreren Charakteren, die in unterschiedlichen Regionen leben und die Auswirkungen dieser globalen Krise erfahren.
Tessa Hansen, eine junge Umweltaktivistin, hat ihr Leben dem Kampf gegen die Klimakatastrophe verschrieben. Sie lernt die Silicon ValleyInvestorin Shannon O’Reilly kennen und findet in ihr wider Erwarten eine Gleichgesinnte. Doch Tessa erkennt bald, dass Shannon keine Skrupel im Hinblick auf die sozialen Folgen hat, wenn es darum geht, das Klima zu schützen ... Unterdessen treibt China ein eigenes Vorhaben gigantischen Ausmaßes voran, das die handlungsunfähigen westlichen Demokratien vor Rätsel stellt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, und bald muss sich Tessa die Frage stellen, was sie bereit ist, für ihre Überzeugungen zu opfern.
Ein Roman, der brandaktuelle Themen aufnimmt und diese bis zum Schluss weiterdenkt. Der Roman thematisiert die zerbrechliche Balance zwischen Mensch und Natur sowie die Herausforderungen menschlicher Entscheidungen in Krisenzeiten.
Die Protagonisten stehen vor moralischen Dilemmata und unterschiedlichen Perspektiven, die die Dringlichkeit des Themas verdeutlichen und zum Nachdenken über unsere eigene Verantwortung gegenüber der Umwelt anregen.
Unser Fazit:
Auch wenn sich die Klimamaßnahme, die im Mittelpunkt des Buches steht, nach unserer nächsten Lektüre von Berhard Kegel doch als wenig zielführend erweist, werden einige Dilemmata von Klimaschutzmassnahmen deutlich und der Unterhaltungsroman ist durchweg spannend und unterhaltsam geschrieben.
"Hoffnung für Verzweifelte" von Hannah Ritchie
(Buchcover: Piper Verlag GmbH)
Über das Buch:
Hannah Ritchie (*1993) ist eine schottische Datenwissenschaftlerin. Sie ist Senior Researcher an der University of Oxford in der Oxford Martin School und stellvertretende Chefredakteurin bei Our World in Data. Inspiriert von Hans Rosling hat sie schon früh damit begonnen das Thema Nachhaltigkeit unter dem Blickwinkel statistischer Daten zu betrachten. Anhand dieser untersucht sie in ihrem Buch den Zustand und die aussichtsreichsten Hebel für sieben umweltrelevante Bereiche.
Unser Fazit:
Das Buch informiert umfassend über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in 7 verschiedenen Umweltbereichen: Luftverschmutzung, Klimawandel, Entwaldung, Ernährung, Verlust der biologischen Vielfalt, Plastik im Meer, Überfischung. Durch die langfristige Darstellung der Veränderungen z. T. über Jahrhunderte hinweg sieht man in vielen Bereichen deutliche Verbesserungen (z.B. Luftverschmutzung), die jedoch nicht immer schnell genug gehen (z.B. Klima).
Mit der globalen Betrachtungsweise werden gängige Denkmuster hinterfragt. Manche Aussagen der Autorin werfen allerdings auch Fragen auf, die man kontrovers diskutieren kann. Z.B. ihre Einschätzung zu Plastik: da Kunststoff auch positive Wirkungen hat, sieht die Autorin das Hauptproblem darin, dass dieser nicht immer gut deponiert wird (Plastik im Meer). Produzieren wir nicht viel zu viel Plastik? Trotzdem: klare Leseempfehlung. Das Buch regt dazu an, in Umweltfragen am Ball zu bleiben. Dabei ist hilfreich, dass die Autorin Prioritäten für wirkungsvolle Maßnahmen vorschlägt.