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Forderungen des Bündnis Mobilitätswende Düsseldorf für die Koalitionsverhandlungen

17. Oktober 2025

Das Bündnis macht konkrete Vorschläge, wie die Politiker der möglichen Koalitionsparteien die Themen Sicherheit, Lärm, Radwege und ÖPNV voranbringen können ...

 (Fotos: Copyright Bodo P. Schmitz (mutbuergerdokus.de))

Im Bündnis Mobilitätswende Düsseldorf engagieren sich zahlreiche Verbände, Inititativen und Privatpersonen, u. a. die Düsseldorfer Ortsgruppen von ADFC, Attac, BUND, Extinction Rebellion, Greenpeace, NaturFreunde, für - ein lebenswertes Düsseldorf mit mehr Aufenthaltsqualität,

Aus der Pressemitteilung des Bündnisses Mobilitätswende Düsseldorf vom 16. Oktober 2025 (Volltext mit viel Hintergrund hier):

"Nicht Kleckern sondern Klotzen: Jetzt sichere Wege für alle!

Versprechen aus dem Wahlkampf jetzt in Koalitionsvereinbarung festschreiben!

Im Kommunalwahlkampf gehörte das Thema Mobilität zu den Top-Themen. Jetzt ruft das Bündnis Mobilitätswende Düsseldorf die Parteien auf, in den Koalitionsverhandlungen konkrete Ziele fest zu vereinbaren …

1. Für alle schwachen Verkehrsteilnehmer:innen – mehr Sicherheit
Wie kann die Zahl der Verkehrstoten in Düsseldorf auf Null gebracht werden? Wie kommen die Kinder sicher zur Schule und mobilitätseingeschränkte Personen über die Straße? 

Der Stadtrat hat für Düsseldorf das Ziel beschlossen, dass es bis 2030 Null Verkehrstote und Schwerverletzte im Straßenverkehr geben soll (EU-weit ausgegebene „Vision Zero“). Davon ist Düsseldorf mit 9 Verkehrstoten (davon 4 Zufußgehende) und 287 Schwerverletzten (darunter 9 Kinder) gemäß Verkehrsbericht für das Jahr 2024 weit entfernt.

Eine entscheidende Maßnahme für mehr Sicherheit ist Tempo 30. Die Temporeduktion verbessert die Wahrnehmung und Übersicht im Verkehr, verkürzt den Bremsweg und verringert die Schwere von Verletzungen bei Unfällen. Helsinki hat Mitte 2024 fast flächendeckend Tempo 30 eingeführt und hatte im Jahr danach keine Verkehrstoten mehr.

Die deutsche Straßenverkehrsordnung gibt Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts auch nach der Reform nicht her. Wichtig ist daher die Ausdünnung des Hauptstraßennetzes, so dass damit die Einführung von reduziertem Tempo (Tempo 30, Geschäftsstraßen mit Tempo 20) einfacher möglich ist. Die neue StVO erweitert diese Möglichkeiten auch an Hauptverkehrsstraßen.

Konkrete Forderungen für eine Koalitionsvereinbarung: Innerhalb eines Jahres die nachfolgend genannten neuen Möglichkeiten der neuen StVO für Tempo 30 auch an Hauptverkehrsstraßen proaktiv voll ausschöpfen: „im unmittelbaren Bereich von Fußgängerüberwegen, … Spielplätzen, hochfrequentierten Schulwegen…, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen.“ Schließung aller Lücken „von bis zu 500 Metern zwischen zwei Tempo 30-Strecken“.
Reduktion des Durchgangsverkehrs in Wohnvierteln durch verkehrsberuhigende Maßnahmen z. B. Einbahnstraßen, Fahrradstraßen, Nachbarschaftszonen.


2.  Für unsere Gesundheit – Straßenlärm weiter reduzieren
Wie kann für mehr lärmgeplagte Menschen in Düsseldorf die Belastung reduziert werden?

Fast 170 Tausend Düsseldorfer:innen leben an Straßenabschnitten mit potentiell gesundheitsschädlichem Lärmniveau, die gemäß der offiziellen Lärmkartierung 2022 Auslösewerte von 65 dB (A) LDEN am Gesamttag überschreiten. 

Für den Lärmaktionsplan IV, der im April diesen Jahres vom Rat verabschiedet wurde, wurden verbindliche Maßnahmen zur Lärmreduktion nur an 19 Straßenabschnitten erarbeitet (darunter auch vielfach Tempo 30). Davon werden ca. 15 Tausend Einwohner profitieren.

Unerfreulich ist, dass 350 zu sehr lärmbelastete Straßenabschnitte verbleiben, für die keine Maßnahme erarbeitet wurden oder (38 Abschnitte) auf denen eine Umsetzung von im den Lärmaktionsplänen 1-3 empfohlenen Maßnahmen noch offen ist.

Konkrete Forderung für eine Koalitionsvereinbarung: Pro Jahr an weiteren 70 zu sehr lärmbelasteten Straßenabschnitten Maßnahmen definieren und umsetzen, die den Lärm unter die Auslösewerte reduzieren. Dann wären bis zum Ende Amtszeit alle Straßenabschnitte umgesetzt.


3. Sichere Radwege – getrennt von Fußgängern

Radfahrer:innen wollen sicher ans Ziel kommen, Fußgänger:innen auch, und dabei nicht in Konflikt mit Radfahrern kommen. Wer Rad fährt, tut etwas für seine Gesundheit und den Klimaschutz.

Individuelle Mobilität hat mit Freiheit zu tun, und dies bietet nicht nur das Auto, sondern auch das Fahrrad – in der Regel ohne lange Parkplatzsuche. Als Beitrag zum beschlossenen Ziel Klimaneutralität 2035 will die Stadt den Anteil des Radverkehrs an den zurückgelegten Wegen auf 25% steigern.

Alle Parteien wollen eine bessere Radinfrastruktur. Der Rat hat die Errichtung von 6 Radleitrouten mit einer Länge von insgesamt 126 Kilometern beschlossen. Oberbürgermeister Keller hat aktuell nur noch 2 Radleitrouten als Ziel für seine neue Amtszeit genannt. Radroute 1 und 2 haben zusammen 24 Kilometer, wovon ein kleiner Teil schon umgesetzt ist.

Konkrete Forderung für eine Koalitionsvereinbarung: Innerhalb der nächsten Amtszeit die Radleitrouten 1-6 umsetzen, eine Route pro Jahr.


4. ÖPNV für alle – leistungsfähig und barrierefrei

Eine Angebotsverbesserung beim ÖPNV einschließlich Randgebiete und Umland sehen alle Parteien als entscheidendes Element, um Druck von den Straßen in Düsseldorf zu nehmen und die CO2 Emissionen des Verkehrs zu reduzieren. Mit Bus und Bahn fahren soll bequem sein und barrierefrei zugänglich. Das Angebot muss von der Taktzahl her attraktiv, und die Tarifstruktur einfach sein.

Fortschritte gab es in den letzten Jahren durch den Rheintakt und durch überregionale Maßnahmen, von denen Düsseldorf profitiert: Deutschlandticket und zonenübergreifende Fahren in NRW mit dem eezy-Tarif. Es ist wichtig, dass die Stadt sich gegen Preiserhöhungen einsetzt.

Trotz prioritärer Bedeutung des Bahnhofsvorplatzes für den ÖPNV, wird dem ÖPNV in den vorgelegten Planungen Platz weggenommen: Durch Kurzzeitparkplätze und eine Tiefgarageneinfahrt für das geplante Hochhaus auf der Worringer Straße gegenüber der Zentralbibliothek. Dem Busverkehr (einschließlich Schienenersatzverkehr) soll dort zusammen mit dem Radverkehr nur eine Spur bleiben. Die Querungsverhältnisse für Fußgänger bleiben unübersichtlich.

Beim Thema barrierefreie Haltestellen (seit 2022 rechtlich vorgeschrieben) steht Düsseldorf im Vergleich zu anderen Großstädten nicht gut da: Nur 50 – 60 % der Stadtbahn-Haltestellen sind barrierefrei.

Konkrete Forderungen für einen Koalitionsvertrag: Den gesetzlich seit 2022 verpflichtenden barrierefreien Haltestellenumbau bis Ende 2026 abschließen.
Kurzfristig zusätzliche Schnellbusse ins Umland (z. B. Krefeld, Willich, Solingen), um Düsseldorf von Pendlerverkehr per Auto zu entlasten.


5. Mehr Personal und Handlungsspielräume für das Amt für Verkehrsmanagement

Oberbürgermeister Keller stellte kürzlich in einem Interview fest (RP vom 30.9.2025): „Wir sind in der Verkehrspolitik nicht so weit gekommen, wie wir uns das vorgestellt haben…..Da fehlte es an Tempo und auch ein Stück Durchsetzungskraft. Wir sind da als Verwaltung nicht stark genug. Das Amt für Verkehrsmanagement war mal eines der schlagkräftigsten Ämter, das wir hatten. Es hat im Moment echte Probleme.“

Das Bündnis Mobilitätswende Düsseldorf meint: Dem Amt für Verkehrsmanagement mit Personal und größeren Handlungsspielräumen den Rücken stärken! Mehr Experimente wagen, schneller in die Umsetzung kommen!"

(Volltext mit Zusatzinfos zu Tempo 30 und Zitate Wahlprogramme hier)

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